Im Camp Moria auf Lesbos leben dreimal so viele Menschen wie es eigentlich aufnehmen könnte. Die Situation ist jetzt schon verheerend - und dabei ist noch nicht mal Winter.

Auf den Inseln der Ostägäis warten immer noch 20.000 Flüchtlinge darauf, dass ihre Asylanträge bearbeitet werden und sie in ein anderes europäisches Land reisen dürfen - teilweise unter schwierigsten Bedingungen. Besonders schlimm ist die Situation im Camp Moria auf der Insel Lesbos, mit zehn Kilometern Entfernung näher an der Türkei als am griechischen Festland. Die Flüchtlingseinrichtung war eigentlich für 3100 Menschen konzipiert, inzwischen leben dort 9000 Geflüchtete.

Michael Lehmann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Griechenland, beschreibt die Situation vor Ort als "schrecklich" und "furchtbar". Vor allem gebe es zu wenige richtige Schlafplätze, es mangele an hygienischen Einrichtungen, und Krankheiten brechen aus. Wenn das stabile gute Wetter des Sommers dem des Herbstes und Winters weicht, dürfte sich die Lage verschärfen, sagt er.

Camp Moria: Eine Toilette für 60 Menschen

Da Journalisten so gut wie keine Genehmigungen mehr bekommen, das Lager zu betreten, sind sie auf Informationen von zum Beispiel Hilfsorganisationen angewiesen. Eine davon ist Ärzte ohne Grenzen. Florian Westphal, Geschäftsführer der deutschen Sektion, schilderte kürzlich der Deutschen Welle, dass vor allem viele Kinder unter psychischen Erkrankungen leiden. Außerdem würde nicht ausreichend für Sicherheit gesorgt, und vor allem nachts käme es zu "gewalttätigen Angriffen, zu Vergewaltigungen, sexueller Misshandlung auch von Kindern".

"Hinter doppelt gesicherten Stacheldrahtmauern wohnen zu müssen nach einer Flucht, bei der man eigentlich dachte, in Europa willkommen zu sein, das gibt vielen den Rest."
Michael Lehmann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Griechenland

Die griechische Regierung hatte angekündigt, die Situation zu entschärfen und einige der Camp-Bewohner aufs Festland zu bringen. Das konnte Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Michael Lehmann allerdings noch nicht beobachten. "Manchmal kommen Busse und bringen ein paar hundert Menschen weg", sagt er, "aber das ist die Menge, die hier jede Woche auch neu dazu kommt."