Im Rahmen der Mosaic Expedition hat sich das Forschungsschiff Polarstern an einer Eisscholle festfrieren lassen. An ihr driftet der Eisbrecher jetzt durchs Nordpolarmeer. Wo genau die Reise endet, bestimmt die Natur.

Die Polarstern ist ein Eisbrecher - und ein Forschungsschiff. Seit Oktober 2019 steckt sie im Rahmen der Mosaic Expedition im ewigen Eis des Nordpolarmeeres fest. Mit Absicht. Denn die Forschenden haben das Schiff an einer Eisscholle festfrieren lassen, um damit durchs Nordpolarmeer zu driften. Die Route wird die Polarstern von der sibirischen Arktis über den Nordpol bis in den Atlantik hinein führen. Ein Jahr lang soll die Drift dauern. So richtig viel sehen können die Forschenden auf ihrer Reise aktuell nicht. Zumindest nicht ohne Licht. Denn um diese Zeit des Jahres herrscht Polarnacht - es ist also durchgehend 24 Stunden dunkel.

Mehrere Hundert Meter vom Schiff entfernt ist die Forschungsstation aufgebaut. Eine richtige, kleine Forschungsstadt, sagt Forscher Markus Rex. Dort werden verschiedene, wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt. Die Messphase, die ein ganzes Jahr lang dauern wird, hat inzwischen begonnen.

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Auch wenn es aktuell Tag und Nacht dunkel ist - das Leben im ewigen Eis hält durchaus Überraschungen parat. Weil ein Stück von der Eisscholle abgebrochen ist, ist ein Teil des Forschungsmaterials im Wasser gelandet. Glücklicherweise konnte alles wieder rausgefischt werden. Aber die Eis-Oberfläche ist sehr dynamisch, erklärt Markus Rex, der Expeditionsleiter der Mosaic Institut. Er arbeitet als Polarforscher am Alfred-Wegener-Institut und befindet sich mit an Bord der Polarstern.

"Das Eis faltet sich dann einfach zusammen, wie das Auffalten von Bergen, wenn Kontinentalplatten aufeinander knallen."
Markus Rex, Expeditionsleiter und Polarforscher am Alfred-Wegener-Institut

Es gibt Zyklen, da wird das Eis stark zusammengedrückt. Und dann gibt es wieder Zyklen, da geht das Eis eher auseinander. Bei einer starken Eispressung türmen sich Presseisrücken mehrere Meter hoch auf, dann ruckelt und knallt es überall. Im Prinzip der gleiche Prozess, wie bei der Entstehung von Bergen. Nur eben viel schneller und in kleinem Maßstab: "Aber auch ziemlich beeindruckend", sagt Markus Rex.

Die Natur bestimmt den Kurs

Wenn das Eis wieder auseinandergeht, dann reißen Rinnen mit offenem Wasser in das Eis. Das Problem ist, vorherzusagen, wo diese Kräfte wirken und die Risse oder Presseisrücken entstehen. Und so kann es vorkommen, dass Teile der Ausrüstung genau da stehen, wo sich eine Rinne bildet. Für solche Fälle sind alle Ausrüstungsgegenstände mit Auftriebskörpern ausgerüstet, damit sie ohne größere Probleme wieder aus dem Wasser geborgen werden können.

"Fast jeder Tag bringt ein neues, überraschendes Ereignis."
Markus Rex, Expeditionsleiter und Polarforscher am Alfred-Wegener-Institut

Trotz ewiger Dunkelheit - Routine kommt bei solchen Ereignissen kaum auf, erklärt der Forscher. Mal tut sich eine Wasserrinne auf, mal vergräbt ein Presseisrücken das Stromkabel mehrere Meter tief unter sich. Bei Besuch von Eisbären müssen sich alle Forschenden, die sich auf dem Eis befinden, zum Schutz zurückziehen. Aber im Gegensatz zu den Tagen, an denen das Forschungscamp aufgebaut worden ist, ist es dann doch ein bisschen ruhiger geworden, sagt Markus Rex. Inzwischen gibt es sich wöchentlich wiederholende Messzyklen, damit das ganze Jahr über einheitlich und gleichmäßig Daten erhoben werden können.

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Wo die Polarstern in einem Jahr von der Eisscholle wieder freigegeben wird, können die Forschenden übrigens nicht sagen. Was das angeht, sind sie völlig der Natur ausgeliefert. Der Kurs wird von der Eisdrift bestimmt und die wird beeinflusst vom Wind und von den Gezeiten. Grob geht der Kurs vom östlichen Bereich der Arktis bis in die Framstraße, das ist das Gewässer zwischen Grönland und Spitzbergen.

"Wir befinden uns jetzt in den Händen der Natur. Wo wir in einem Jahr sein werden, das weiß keiner."
Markus Rex, Expeditionsleiter und Polarforscher am Alfred-Wegener-Institut
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