Jeder dritte Deutsche surft mit Firefox - noch. Der Hersteller, die Mozilla Foundation, galt bisher nicht als Datensammler. Jetzt verärgert sie mit dem Add-On Cliqz die User. Sie haben Angst um ihre Daten. Zu Recht?

Weltweit sinkt der Marktanteil, aber in Deutschland ist Firefox immer noch bei vielen Usern der Standard zum Surfen. Auf fast ein Drittel Marktanteil kommt Firefox – und ist damit auf Augenhöhe mit Googles Chrome. Noch. Denn die Nutzerzahlen sinken auch in Deutschland. Zu allem Überfluss hat Firefox hierzulande jetzt auch noch eine Datenschutzdebatte am Hals und das, obwohl der Hersteller sich gerne den Schutz der Privatsphäre auf die Fahne schreibt.

Die Wut der Nutzer entzündet sich an einem Test, den Firefox jetzt in Deutschland gestartet hat. 1 Prozent der User, die die neue Version des Programms herunterladen, bekommen ohne ihr Zutun als Teil von Firefox ein Datenerfassungstool auf den Rechner, das bereits aktiviert ist. Cliqz heißt das Tool.

"Dieses Add-On erfasst meine Surfaktivitäten und schickt die Daten über besuchte Websites an die Server des Herstellers."
Andreas Noll, DLF Nova

Cliqz erhält also anonymisierte Datensätze. Dem Nutzer wird - wie so oft - ein besseres Produkt versprochen. Eine beliebte Begründung fürs Datensammeln. Bei Cliqz werden schon beim Eintippen einer Adresszeile Empfehlungen angezeigt. Und Nachrichten werden eingeblendet, die Wettervorhersage, Sportergebnisse – was auch immer.

Mehr Datenschutz als bei Chrome

Cliqz will also einen ähnlichen Service anbieten, wie er bereits bei Googles Browser Chrome üblich ist, aber eben ohne vergleichbare Datensammelei. Daher gibt es Cliqz auch als eigenen Browser. Zeit.de nannte Cliqz eine "Google-Vermeidungsmaschine".

"Die haben echt den Schuss nicht gehört bei Mozilla. Euer Browser ist groß, lahm, bloated, feature-arm, euren Add-On-Vorteil habt ihr euch gerade mit dem Umstieg auf Webextensions weggeschossen, und in Sachen Codequalität und Security hinkt ihr Chrome hinterher."

Und wie groß ist nun am Ende die Gefahr durch Cliqz? Das hängt auch ein bisschen vom Vertrauen ab, das die User in die Firma investieren will. Cliqz verspricht, auf  Datenschutz mehr wert zu legen als Google und Co. Die Stiftung Warentest hat dazu im vergangenen Jahr gesagt: Ist einen Versuch wert.

Mozilla im Kreuzfeuer

Der Blogger Felix von Leitner nennt  Cliqz "Datenmalware" und kritisiert die Aktion von Firefox und der Mozilla Foundation heftig. Schon das ungefragte Installieren dieses Add-Ons ist für ihn ein No-Go. Auch in den User-Foren sind viele ablehnende Reaktionen zu lesen. Was auch damit zusammenhängt, dass die Kritiker eher in die Tasten greifen als diejenigen, die alles halb so wild finden. Die gute Nachricht: Wer will, kann das Add-On immerhin deaktivieren.