Es ist ähnlich wie mit den Kaffeebechern. Hochgerechnet aufs Jahr produzieren sie pro Kopf unglaublich viel Müll. So ist es auch mit Menstruationsartikeln. Müllfreie Alternativen gibt es zwar, aber wie hygienisch sind sie und worauf müssen wir achten?

In Deutschland kaufen laut einer repräsentativen Umfrage 96 Prozent der Frauen Einwegprodukte für ihre Periode. Die meisten der Menstruierenden nutzen Tampons und Slipeinlagen, ein großer Teil nutzt Binden.

Geht man davon aus, dass eine menstruierende Person an bis zu sieben Tagen pro Monat fünf Binden oder Tampons nutzt, sind das auf das Jahr gerechnet vier Kilogramm Menstruationsmüll. Nach 30 oder 40 Jahren fallen damit bis zu 160 Kilogramm Müll an, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski.

"Jede menstruierende Person in Deutschland landet bei rund vier Kilo Menstruationsmüll im Jahr."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Hygiene in öffentlichen Einrichtungen

Gerade in öffentlichen Einrichtungen macht es Sinn, seine Tampons, Einlagen oder Binden nicht einfach so in den Müll zu schmeißen, sondern die vorgesehenen Hygienebeutel zu nutzen, sagt Kerstin Ruskwoski. Denn für die Mitarbeitenden von Reinigungsfirmen ist es eben nicht so angenehm, die blutigen Menstruationsprodukte fremder Menschen zu entsorgen.

Ein Gebäudereiniger aus Köln hat auf unsere Nachfrage hin allerdings berichtet, dass die Hygienebeutel – sofern angeboten – immer genutzt werden. Eine zumindest plastikfreie Alternative wäre hier das Einwickeln in Toilettenpapier.

Die Gesundheit geht vor

Doch sind es nicht nur die Tampons oder Binden an sich, die Müll verursachen, sondern auch ihre Verpackungen. Muss das wirklich sein, dass jeder Tampon einzeln verpackt ist? Ann-Sophie Claus, Gründerin von The Female Company, die verschiedene Periodenprodukte produziert, sagt: ja.

Denn hier gehe es nicht nur um den Aspekt der Nachhaltigkeit, sondern auch um die eigene Gesundheit. Tampons führe man an die Stelle am Körper ein, die am meisten absorbiere. Deshalb müssten die Hersteller sicherstellen, dass die Tampons hygienisch einwandfrei seien, erklärt sie.

"Das Problem ist: Wenn ich mir die Produkte in meinen Körper einführe und das an meine absorbierendsten Körperstellen lasse, müssen sie sauber sein und ich muss als Hersteller sicherstellen, dass sie nicht kontaminiert sind."
Ann-Sophie Claus, Gründerin von The Female Company

The Female Company nutzt bei ihrer Verpackung allerdings eine kompostierbare Folie. Umgehen kann man den Müll bei Tampons und Binden also nur, wenn man sie einfach gar nicht mehr benutzt und auf nachhaltige Alternativen umsteigt. Beispielsweise gibt es Menstruationstassen oder Periodenunterhosen.

Oft ungewohnt, dafür aber nachhaltig

Menstruationstassen sind meistens aus medizinischem Silikon und ersetzen laut den Angaben eines Herstellers in zwei Jahren 528 Binden oder Tampons. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin nutzt ihre Tasse bereits seit fünf Jahren. Nach jeder Menstruation kann man die Tasse in heißem Wasser auskochen, Verfärbungen gehen mit Backpulver weg.

"Ich habe meine Menstruationstasse jetzt seit fünf Jahren. Nach jeder Menstruation koche ich sie in ein paar Minuten im Wasser aus – und Verfärbungen gehen mit Backpulver weg."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Menstruationsunterwäsche besteht meistens aus Baumwolle oder Merinowolle, manchmal auch aus Polyester. Es gibt sie mittlerweile auch in vielen verschiedenen Farben und Schnitten. Sich daran zu gewöhnen, ist für viele Frauen allerdings ein Prozess. Manche, die müllfrei Menstruieren wollen, nutzen deshalb gerade zu Anfang gerne die Kombination aus Menstruationstasse und Periodenunterwäsche.

Free-Bleeding - ganz ohne Müll

Und dann gibt es noch die wohl nachhaltigste, für viele aber auch die ungewohnteste Methode: einfach nichts benutzen. Diese Methode wird auch Free-Bleeding-Methode genannt. Das Ziel ist dabei, mit Muskelkraft die Blutung so zu kontrollieren, dass man sie nur auf der Toilette rauslässt. Zwar kennen in Deutschland zumindest 42 Prozent der Frauen diese Methode – wirklich praktiziert wird es aber bisher nur von zwei Prozent.