In 30 europäischen Ländern wurden 18.000 Mediziner und andere Beschäftigte des Gesundheitssystems zu Antibiotika befragt. Die Umfrage hat ergeben, dass von den befragten Ärzten und Ärztinnen jeder bzw. jede Dritte innerhalb der vorherigen Woche mindestens einmal Antibiotika verschrieben hatte, obwohl er oder sie es lieber nicht getan hätte.

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, bei der die Erreger am häufigsten die Lunge des Menschen angreifen. Das Problem: Viele der bakteriellen Keime, die Tuberkulose auslösen, sind inzwischen resistent gegen viele Antibiotika. Dadurch wird die Behandlung immer schwieriger. Und: Je öfter Antibiotika verschrieben werden, desto mehr steigen die entstehenden Resistenzen.

"Oft haben die Befragten gesagt, dass sie zwar Richtlinien haben, aber denen nicht so ganz trauen."
Britta Mersch, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Die Umfrage des Europäisches Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat nicht nur abgefragt, wie oft Medizinerinnen antibiotisch wirkende Mittel verschrieben hatten. Den Medizinern und medizinischen Angestellten wurden auch Wissensfragen gestellt.

Vor allem Ärzte und Ärztinnen haben dabei gut abgeschnitten: Fast alle konnten Viruskrankheiten und deren Behandlung von bakteriellen Infektionen unterscheiden. Fast genausoviele Probanden wussten auch, dass Antibiotika, die unnötigerweise verschrieben werden, dazu führen können, dass sie insgesamt weniger effektiv werden.

Antibiotika-Gabe wegen Unsicherheit bei der Diagnose

Viele der Ärzte gaben an, dass sie Antibiotika verschreiben, wenn sie nicht genau wissen, ob der Patient eine bakterielle oder virale Erkrankung hat. Offenbar aus Sorge, dass es dem Patient schlechter gehen könnte, verschreiben sie die Medikamente vorbeugend – damit die Erkrankten keine Zeit verlieren, falls doch eine bakterielle Krankheit festgestellt wird.

Ärzte sagten in der Umfrage außerdem, dass sie manchmal auch Antibiotika verschreiben, wenn sie davon ausgehen, dass sie den Patienten nicht noch einmal sehen werden.

"Dann kann es passieren, dass du vorsichtshalber ein Rezept fürs Antibiotikum bekommst, damit keine Zeit verloren geht, falls du doch die schlimmere Variante hast."
Britta Mersch, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Deutschland schneidet im europäischen Vergleich überdurchschnittlich ab

Zwar gab es aus Deutschland nicht die nötige Antwortquote, aber die Ergebnisse der Studie deuten daraufhin, dass Deutschland im Vergleich mit dem EU-Durchschnitt besser abschneidet. In Deutschland soll nur jeder fünfte Arzt gesagt haben, dass er in der vorangegangenen Woche Antibiotika verschrieben hat, obwohl er es lieber nicht getan hätte.

Und auch bei den Wissensfragen haben die deutschen Teilnehmenden besser als andere abgeschnitten: Deutschland liegt im Ranking auf Platz 5 von 30 Ländern.

Empfehlung: Bessere Aufklärung und bessere Diagnosemethoden

Die Studie empfiehlt verschiedene Maßnahmen, um die Situation zu verbessern:

  • Bessere Aufklärung, damit alle im Gesundheitswesen über Antibiotika und die Resistenzprobleme Bescheid wissen – Oft gaben die Befragten nämlich an, dass sie zwar Richtlinien hätten, aber denen nicht so ganz trauen würden.
  • Auch für Patientinnen und Patienten wären bessere Informationen sinnvoll, stellen die Autoren fest. Einige Ärzte sagten nämlich auch, dass sie ein Antibiotikum verschrieben hätten, weil sie nicht genug Zeit hatten, den Patienten zu erklären, dass das nicht helfen würde.
  • Bessere Methoden zur Diagnose könnten helfen, dass seltener Antibiotika verschrieben werden: Die Tests, die bisher zur Verfügung stehen, sind nicht besonders schnell – Schnelltests könnten daher laut der Untersuchung ebenfalls sinnvoll sein.