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Auf Zahnbürsten sitzen Bakterien – das ist erst mal keine große Überraschung. Überraschender ist, dass dort gelegentlich auch Darmkeime vorkommen und auch solche, die gegen Antibiotika resistent sind. Was ihr aber deswegen nicht tun solltet: die Zahnbürste mit Desinfektionsmitteln behandeln.

Na, überfällt euch gerade der große Ekel? Dass unsere Zahnbürsten nicht keimfrei sind, ist zunächst völlig normal, schließlich stecken wir uns die Dinger täglich in den Mund und damit in ein Bakterienparadies. Eine US-Studie hat genauer untersucht, welche Keime auf unseren Zahnbürsten vorkommen können und wenig überraschend bestätigt: Es sind vor allem Keime, die auch im Mund vorkommen.

Fäkalkeime verbeiten sich über Aerosole

Auf Zahnbürsten sind aber auch ganz andere Bakterienarten zu finden – und zwar aus der Umgebung, in der sie aufbewahrt werden. In der Regel stehen sie im Badezimmer und hier ist auch meist ein WC. Beim Spülen der Toilette entstehen dann Aerosole, die sich möglicherweise auch auf der Zahnbürste absetzen.

"Die Zahnbürste steht im Badezimmer, wo in der Regel auch eine Toilette ist. Beim Toilettenspülen entstehen Aerosole, die sich möglicherweise auch auf der Zahnbürste absetzen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Dirk Bockmühl ist Mikrobiologe an der Hochschule Rhein-Waal und forscht viel zu Bakterien im Haushalt. Im vergangenen Jahr hat er eine ähnliche Studie durchgeführt. Auf Zahnbürsten gebe es schon eine ganze Menge Keime, sagt er. Die Mengen seien vergleichbar mit denen auf Handtüchern oder Waschlappen.

Darmbakterien: Zahnbürste keine geeignete Umgebung

Was die Fäkalkeime angeht, könnt ihr jetzt ein bisschen aufatmen: Es seien zum einen nur wenige Darmkeime, die sich dort finden lassen, außerdem sei die Zahnbürste auch kein geeignetes Umfeld für sie, so der Mikrobiologe. Das heißt: Die Darmkeime gelangen möglicherweise zwar dorthin, können sich wahrscheinlich aber nicht durchsetzen.

"Fäkalkeime brauchen ein völlig anderes Umfeld als sie auf der Zahnbürste vorfinden. Die werden möglicherweise dahin gelangen, werden sich aber wahrscheinlich nicht durchsetzen."
Dirk Bockmühl, Mikrobiologe

Wenn ihr den Gedanken so gar nicht ertragen könnt, dann solltet ihr die Zahnbürste möglichst weit weg vom WC aufbewahren, damit die Toiletten-Aerosole einen weiteren Weg haben.

Antibiotikaresistenzen nachgewiesen

Neben Fäkalbakterien können auf Zahnbürsten auch Bakterien mit Antibiotikaresistenzen nachgewiesen werden. Auch das sei nicht besonders überraschend, finden sie sich doch in fast allen Bereiche im Haushalt, so der Mikrobiologe. Interessant ist, dass die US-Studie mehr Antibiotika-Resistenz-Gene auf den Zahnbürsten von Menschen gefunden hat, die besonders intensive Mundpflege betreiben – also Zahnseide benutzen und auch Mundspülungen.

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Das könnte damit zusammen hängen, dass in den USA viele Mundspülungen und auch Zahnpasta antibakterielle Substanzen wie beispielsweise Triclosan enthalten. Dirk Bockmühl hält das für keine so gute Idee, denn mit antimikrobiellen Substanzen in der Zahnpflege könnten wir Antibiotika-Resistenzen sogar anzüchten.

Um die Zahl der Mikroorganismen einzudämmen, solltet ihr eure Zahnbürste möglichst sauber und vor allem trocken halten. Das gilt auch für alle anderen Oberflächen, die von Bakterien besiedelt werden. Die Zahnbürste könnt ihr zum Beispiel am Handtuch trocken reiben und sie dann aufrecht in den Becher stellen. Bakterien brauchen immer Feuchtigkeit, um sich zu vermehren. Darum ist auch eine Plastikkappe oder die Aufbewahrung im Schrank keine so gute Idee.

"Die Zahnbürste am Handtuch trocken reiben und dann aufrecht in den Becher stellen. Und eben nicht in so eine Plastikkappe oder in den Schrank stellen. All das lässt sie länger feucht bleiben."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Nach sechs Wochen, spätestens aber nach drei Monaten solltet ihr die Zahnbürste wechseln. Denn im Laufe der Wochen bilden sich immer mehr Hefe- und Schimmelpilze, meint Dirk Bockmühl. Und dagegen hilft dann nur noch eins: wegschmeißen! Das gilt auch, wenn ihr einen Infekt hattet, denn ansonsten besteht die Gefahr der Wiederansteckung.