Sie sehen putzig aus mit ihren Kulleraugen und der Stupsnase, die kleinen Murmeltiere in den Alpen. Besonders freuen sich die Touristen, wenn die drolligen Pelzträger Männchen machen. Doch das in Deutschland geschützte Alpentier vermehrt sich prächtig und gefährdet mit seinen weitreichenden Höhlensystemen die Sicherheit vieler Hänge.

Die alpinen Nager werden immer zutraulicher und sind häufig auf Parkplätzen in der Nähe von Almhütten und Bauernhöfen anzutreffen - sehr zum Leidwesen der Bauern. Die einstmals flinken Nager lassen sich gern von Touristen füttern und neigen inzwischen schon zu adipösem Fettansatz, sagt DRadio-Wissen-Tierexperte Mario Ludwig. Angst hätten sie hingegen keine.

"Die Murmeltiere scheren sich meist einen feuchten Dreck um Wanderer. Sie wissen: Das Schlimmste, was ihnen passieren kann, ist, von allen Seiten stundenlang fotografiert zu werden."
DRadio-Wissen-Biologe Mario Ludwig

In Österreich und der Schweiz gelten die Murmeltiere als jagdbares Wild: 12.000 bis 16.000 Tiere werden dort jährlich erlegt. Aus der Speckschicht der alpinen Erdmännchen wird die berühmte Murmeltiersalbe gewonnen. Ein altes Hausmittel, das wegen seiner Cortison-ähnlichen Bestandteile gegen Gicht, Arthrose und Gliederschmerzen im Allgemeinen helfen soll.

Delikatesse Murmeltierragout

Ist die Speckschicht erst einmal ab, bleibt noch das zarte Murmeltierfleisch übrig, das im hinteren Ötztal als Delikatesse gilt. Der Geschmack ähnelt dem von Kaninchen. Ein besonders beliebtes Gericht ist Murmeltierragout mit Bratkartoffeln, Blaukraut und grünem Salat.

Unterminierung von Hängen verhindern

Dank der Bejagung können die Almbauern die ihre Wiesen und Almen frei von Murmeltieren halten und schützen damit die Berghänge. Denn die pelzigen Alpen-Kumpels scharren mehrere Kubikmeter Erdvolumen aus den Hängen.

Der Name Murmeltier - wie Mario erklärt - hat nichts mit Murmeln zu tun. "Seinen komischen Namen bekam das Murmeltier nämlich von den alten Römern verpasst: Mus monti, zu deutsch Bergmaus, hießen die alpinen Fettsäcke im Reich der Cäsaren."