Beethovens 10. Sinfonie fehlt bis heute das Ende. Die berühmte "Unvollendete" soll nun aber doch vollendet werden - mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz.

Ludwig van Beethoven starb am 26. März 1827 in Wien. Noch bis kurz vor seinem Tod hat er an der 10. Sinfonie gearbeitet – dabei war er an seinem Lebensende weitgehend taub. Es existieren verschiedene Skizzen zu der Sinfonie, unter anderem zu einem ersten und dritten Satz.

Wie hätte der Meister seine 10. Sinfonie wohl weiterkomponiert? Das fragt sich die Musikwissenschaft schon lange. Seit diesem Sommer arbeitet nun ein internationales Team aus Musikwissenschaftlern, Komponisten und Informatikern daran, aus der "Unvollendeten" eine "Vollendete" zu machen. Eine Künstliche Intelligenz soll die fehlenden Teile komponieren – und zwar genau so, wie Ludwig van Beethoven es vermutlich getan hätte.

"Was Beethoven hinterlassen hat, sind zum Teil ganz kurze Takte, im Einzelfall auch ein bisschen mehr. Aber insgesamt ist das sehr wenig."
Christine Siegert, Leiterin der Forschungsabteilung im Beethovenhaus in Bonn

Eine ziemliche Herausforderung, denn hinterlassen hat uns Beethoven nur sehr wenig, wie Christine Siegert, Leiterin der Forschungsabteilung im Beethovenhaus in Bonn, sagt.

Den Kompositionsstil Beethovens lernen

Matthias Röder ist CEO am Karajan Institut in Salzburg und wissenschaftlicher Leiter des Beethoven-Projekts. Er und sein Team wollen Beethoven nun posthum zu einer existierenden 10. Sinfonie verhelfen. Dazu haben sie ihre KI zunächst einmal mit einer Menge Material gefüttert – damit sie lernt, wie Beethoven selbst und andere Komponisten seiner Zeit komponiert haben.

"Wir trainieren die Künstliche Intelligenz mit den Werken, die Ludwig van Beethoven selber geschrieben hat, mit Werken seiner Zeitgenossen, die er kannte. Und so lernt dieses künstliche, neuronale Netzwerk die Eigenheiten des Kompositionsstils von Ludwig van Beethoven."
Matthias Röder, Projektleiter "Beethovens 10."

Die KI macht dabei aber nicht alles allein: Die Experten hören sich die Sequenzen an, die die Software ausspuckt – und sagen ihr dann, was sie gut finden und was nicht. So soll das Ergebnis mit der Zeit immer besser werden. Das Ganze ist also eine Art Teamwork von Maschine und Mensch, sagt Matthias Röder.

"Wenn wir die Komposition zu Ende führen, dann werden wir aus einer kleineren Menge an Vorschlägen, die die KI gemacht hat, bestimmte Sequenzen auswählen und diese zu einem Ganzen zusammenfügen."
Matthias Röder, Projektleiter "Beethovens 10."

Im Beethoven-Jahr 2020 soll die Weltneuheit vom Beethoven-Orchester in Bonn uraufgeführt werden. Bis dahin scheint es noch ein weiter Weg. Zumindest Christine Siegert ist vom bisherigen Ergebnis noch nicht ganz überzeugt: Was man bis jetzt hören könnte, sei noch weit von Beethoven entfernt. "Aber wenn man die ersten Anfänge, die wir gehört haben, mit dem vergleicht, was dann mehrere Woche später entstanden ist, dann merkt man schon einen enormen Lernprozess des Computers."

Jede Menge "künstliche" Musik

Übrigens haben sich KI schon früher an bekannte Komponisten oder Bands gewagt. So gibt es einen Pop-Song im Stil der Beatles, er heißt "Daddy's Car". Dabei kommt nur der Gesang von einem Menschen. Und es gibt jede Menge Software-generierter Musik, die bei Filmen oder Videospielen eingesetzt wird.

Auch an einem Weihnachtslied hat sich eine KI schon mal versucht – leider aber mit eher mäßigem Erfolg, wie wir finden.