Im Hörsaal senden wir diesmal Foltermusik - aus dem US-Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba, aus dem Irak und Afghanistan. Denn dort wurde Musik als Folterinstrument eingesetzt. Der Musikphilosoph Christian Grüny erklärt, wie mit Musik gefoltert wird.

Sowohl das US-Verteidigungsministerium als auch Präsident Barack Obama haben mittlerweile zugegeben, dass in irakischen Gefängnissen und auch in Guantanamo auf Kuba systematisch gefoltert wurde. Das "Waterboarding" ist dabei die Methode, die weltweit den höchsten Bekanntheitsgrad erreicht hat. Bei dieser Verhörmethode wird das Ertrinken des Gefangenen simuliert.

Musikfolter: Jede Musik eignet sich dafür

Die Gefangenen berichten aber auch über andere Formen schwerer körperlicher und seelischer Misshandlung - nämlich Folter durch Musik. Christian Grüny, Musikphilosoph an der Universität Witten-Herdecke erklärt, wie mit Musik gefoltert wurde und weiterhin gefoltert werden kann. Er bezieht sich dabei auf vereinzelte Berichte von Opfern und - wie er sie nennt - "den Ausführenden".

Christian Grüny hat herausgefunden, dass man nicht nur mit hartem Hip-Hop und Death Metal Menschen foltern kann, sondern auch mit süßem Kindergesang. Die posttraumatische Wirkung von Musikfolter hält ein Leben lang an.

"Manche der Opfer berichten, dass sie - obwohl sie Mechanismen entwickelt hatten mit Isolation und Schmerz umzugehen - dem nichts mehr entgegen zu setzen hatten."

Grüny spricht über "Schrei und invertierte Stimme. Musik und Folter" aufgezeichnet auf einer Tagung des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) in Berlin unter dem Titel "Die Stimme im Ausnahmezustand" vom 13. bis 15. November 2014.

In einem zweiten Vortrag berichtet die Kulturwissenschaftlerin Britta Lange von der Humboldt-Universität Berlin wie im Ersten und Zweiten Weltkrieg Sprech- und Sprachexperimente mit Gefangenen gemacht wurden. Auch dazu ist im Hörsaal altes, exemplarisches Tonmaterial zu hören.

"Wenn die Gefangenen eine persönliche Geschichte referierten, dann waren die Wissenschaftler trotzdem zufriedengestellt, weil es ja ein gesprochenes Beispiel der Sprache war oder des Dialekts, für das sie sich interessierten."

Das Thema von Britta Lange lautet "Am Abgrund. Stimmen von Internierten". Die Stimme befand sich bei den Gefangenen während der Experimente in einem Ausnahmezustand, weil sie normalerweise keine eigenen Wörter benutzen durften, sondern nur vorgegebene.

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