Das Stuttgarter Musiklabel Chimperator hat vor allem Deutschrapper unter Vertrag, Cro zum Beispiel oder die Orsons. Der Chef von Chimperator hat jetzt angekündigt, dass das Label keine Alben mehr veröffentlichen wird, sondern nur noch Singles. Warum?

Das Label will sich dem Markt anpassen, hat Sebastian Schweizer, der Chef von Chimperator, den Stuttgarter Nachrichten gesagt. Deshalb wollen sie nicht mehr warten, bis ein komplettes Album fertig ist, sondern der Song wird direkt auf den Markt geworfen, sobald er abgemischt vorliegt. Denn das Label hat beobachtet, dass die Hörer weniger ganze Alben als einzige Tracks streamen.

"Bei Chimperator hat man gemerkt, dass die Leute nicht mehr komplette Alben, sondern einzelne Tracks streamen."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Streaming wird für die Präsenz von Künstlern und Künstlerinnen immer wichtiger, auch wenn man damit nicht so viel Umsatz macht, sagt Anke van de Weyer von Deutschlandfunk Nova.

Streaming verändert den Markt

Entscheidend für die Labels ist es, in den relevanten Playlists der Streaming-Anbieter stattzufinden – und da kommt man eben eher mit Singles rein. Die Chimperator-Zielgruppe ist eher jung, genauso wie die Streaming-Zielgruppe: Laut einer Studie der Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz nutzen vor allem Hörer bis 29 Jahre diese Möglichkeit, um an neue Tracks zu kommen. Und das sind genau die, die Chimperator haben will.

Das starre Konzept "Album" samt seiner klassischen Promo-Zyklen wird immer mehr aufgebrochen, sagt Anke.

Neue Wege

  • Drake hat sein Album "More Life" vor einem Jahr erstmal als Radioshow rausgebracht.
  • Das aktuelle Album von Kanye West 'The Life of Pablo' gibt es in unterschiedlichen Versionen: mal mit 12, mal mit 17 Songs, jeweils mit unterschiedlichen Covern.
  • Die britische Band Honne ist gerade dabei, ihr neues Album stückchenweise zu veröffentlichen: Jeden Monat gibt es zwei neue Songs, bis das Album im August dann quasi komplett ist.
"Es geht natürlich auch darum, dass man mit jeder Veröffentlichung wieder Aufmerksamkeit generiert."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Zudem, erklärt Anke, schaffen die Labels ja mit jeder einzelnen Veröffentlichung Aufmerksamkeit. Allerdings sollten wir das Album auch nicht toter reden als es ist, stellt sie klar. Auch Chimperator selbst will sich nicht ganz von dem Konzept verabschieden: Die einzelnen Tracks der Künstler werden als Playlist gesammelt und am Ende ist die Playlist dann das Album.

Album als Kunst & Spezial-Boxen 

Auch in Zukunft wird es sicher noch weiterhin Künstler geben, die eher in einem großen Kontext denken und Spaß daran haben, bewusst ein ganzes Album zusammenzustellen.

Dazu kommt, dass so ungefähr das einzige, was sich im Moment noch ziemlich sicher verkauft, Special-Edition-Boxen sind – also das Album in einer Sonderausgabe mit irgendwelchen Extra-Geschenken. Bei den Fans kommt das an. Und solange sich mit den Boxen Geld machen lässt, werden sie natürlich auch verkauft.

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