Pommes oder Apfel? Musik und ihre Lautstärke können gezielt Kaufentscheidungen beeinflussen - in Supermärkten und Restaurants. Unsere Autorin Rebekka Endler mit dem  Praxistest.

Forscher der University of South Florida haben herausgefunden, dass Hintergrundmusik die Entscheidung von Kunden im Supermarkt oder Gästen in Restaurants beeinflusst. Jene, die entspannte Musik hören, interessieren sich eher für gesündere Nahrung – beispielsweise für Salat. Laute Musik hingegen verleitet zu Fast Food.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rebekka Endler hat sich bei der Wahl ihrer nächsten Mahlzeit einfach mal von der Musik leiten lassen - und sich bei Gastronomen umgehört.

Food-Marketing mit Musik

Rebekka dachte bisher, dass nur ihr Bauch und vielleicht auch ihr Gewissen darüber entscheiden, was sie essen möchte. Die Studie von Marketing-Professor Biwas sagt aber: Wenn Musik läuft, entscheidet sie mit. Demnach löst lauter Techno eher den Wunsch nach fettigem und ungesundem Essen aus - zum Beispiel nach einer Currywurst mit Pommes.

Nur auf die Musik allein lässt sich der Wunsch nach bestimmten Kohlehydraten allerdings auch nicht zurückführen. Das hätten die Marketingspezialisten bei McDonalds und Co. sicher bereits ausgenutzt - man könnte sich dort nicht mehr unterhalten, meint Stefan Koelsch. Er ist Professor für medizinische und biologische Psychologie an der Universität Bergen und hört privat beim Essen am liebsten Jazz.

"Ganz so einfach ist es nicht, zu sagen: Je lauter die Musik ist, desto besser können wir ungesundes Essen verkaufen. Ansonsten wäre McDonalds voll mit lauten Lautsprechern."

Wer in einer deutschen Innenstadt auf Nahrungssuche geht, der hat die Qual der Wahl. Rebekka hat in einem kleinen Cafe mit dem Betreiber gesprochen. Dort ist die Musik so leise, dass sie zunächst dachte, es liefe keine.

"Wir haben im Grunde genommen nur gesunde und keine fettigen Essen. Nein, unsere Musikauswahl ist nicht auf das Essen abgestimmt."
Cafébetreiber, Köln

Rebekka hat sich auch dort umgehört, wo kulinarisch eher gesündigt wird. In der Currywurstbude bei 73 DB und einem Elektrobeat. Sie trifft den Besitzer. Der findet seine Musikbeschallung weder laut noch Elektro - noch ungesund.

"Das bezeichnen Sie als laute Elektromusik? Ich empfinde es als sehr angenehme Hintergrundmusik. Eigentlich ist das sehr hochwertig, von einem DJ aus Ibiza."
Currywurstbudenbesitzer, Köln

Vielleicht ist diese dröhnende Elektroplaylist aus Ibiza genau das Image, das Currywust und Pommes brauchen: Sommer, Sonne, Spaß und Urlaubsfeeling. Da zweifelt niemand an seiner Entscheidung, meint Rebekka.

Sie vermutet, dass jede und jeder eine individuelle Playlist von Songs im Kopf hat, die mit Essen verknüpft ist. Dafür ist sie selbst das beste Beispiel: Bei diesem einen Lied, ganz am Ende ihres Beitrags, möchte sie immer unbedingt ein Eis essen. Sofort!

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