Dünn sein geht gar nicht. Wer heute jung und männlich ist, braucht dringend große Muskeln - finden viele. Ein Schönheitsideal mit Nebenwirkungen.

Olli ist seit 16 Jahren Kraftsportler. Als Personaltrainer macht er sein Hobby gerade zum Beruf. In der Woche verbringt er sechs Mal drei Stunden im Kraftraum. Er gibt Kurse und wirbt im Internet. Sein Oberarm ist so dick wie der Oberschenkel unseres Reporters.

"Ich muss Facebook nur aufmachen, sofort sehe ich irgendein Fitnessbild mit einem Selfie vor dem Spiegel. Die Leute definieren sich stark über ihr Fitness-Life."
Olli ist Kraftsportler und Personaltrainer

Sich beim Training zur Schau stellen

Australischen Forschern zufolge sind Jungs im Alter von zwölf bis 18 heute gestresster von ihrem Körperbild als gleichaltrige Mädchen. Auf Youtube, Facebook und Instagram konkurrieren sie um das beste Bild und den größten Bizeps.

"Wie Frauen Make-up nutzen, ist für Männer der Kraftsport etwas, um sich selber zu definieren."
Bruno Berg, stellvertretender Studioleiter in einem Münchner Fittnesstudio
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Bruno Berg ist stellvertretender Studioleiter in einem Münchner Fitnessstudio. Er sagt: Früher haben die Bodybuilder für sich trainiert, haben sich außerhalb der Wettkämpfe nicht gezeigt. Heute zeigt die Jugend alles. Und das Training kann zur Sucht werden.

"Das ist ein Sport, wo man nie zufrieden ist. Deshalb trainieren sie auch weiter, sonst würden sie aufhören. Es ist immer der Wunsch nach mehr. Immer."
Bruno Berg über Bodybuilder

Männlichkeitssymbol und Selbstbestätigung

Der medizinische Fachausdruck für übertriebenes Krafttraining ist Muskeldysmorphie oder auch Adonis-Komplex.

Bei Muskelsucht handelt es sich um eine Art männliches Gegenstück zur Magersucht, meint Eva Hitzler. Die Psychotherapeutin sieht Ähnlichkeiten zwischen Muskelsucht und Hungern: "Das ist erst anstrengend, dann wird es ein Selbstläufer, dann gibt es Anerkennung - und es geht immer weiter."

"Man lässt seine sozialen Kontakte links liegen, kümmert sich um sein Körperbild, hat narzisstische Vorstellungen dabei und kommt in ein Verhalten, bei dem man nicht mehr aufhören kann.“

Die Psychotherapeutin hat eine These: "Dadurch, dass die Rollen in unserer Gesellschaft zwischen Mann und Frau verwischen, ist es ein Versuch nach außen, deutlich zu zeigen: So ist der Mann, so ist die Frau“, sagt Eva Hitzler. Der Feminismus könnte demnach die Entwicklung mit befördern.

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