Forschende haben verglichen, welche Europäer ihre Muskeln ausreichend fordern. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, zweimal pro Woche die Muskeln zu trainieren.

Es muss nicht immer das klassische Hanteltraining sein. Seit ein paar Jahren stehen eher Pilates, Functional Fitness, Trainingseinheiten mit dem eigenen Körpergewicht und Yoga hoch im Kurs, um die eigenen Muskeln zu stärken.

Denn für einen gesunden Körper und eine gute Fitness zählen auch starke Muskeln. Das trägt zur Stabilität unseres Knochenapparates bei und verringert auch unser Verletzungsrisiko.

Muskeltraining mit dem eigenen Körpergewicht.
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Es muss nicht immer das anteltraining sein, eine "Plank"-Übung ist sehr intensiv und trainiert viele Muskeln im Körper gleichzeitig.

Für eine Studie haben Forschende aus Australien die Trainingsdaten verschiedener europäischer Länder miteinander verglichen. Dafür wurden die Daten von insgesamt 280.000 Menschen über 18 Jahren berücksichtigt.

Gesucht wurde eine Antwort auf die Frage, wie viel Muskeltraining Menschen in europäischen Ländern machen und ob das ausreicht, um gesund und fit zu sein.

Im Speziellen ging es den Forschenden um Muskeltraining mit dem eigenen Körpergewicht: Also Sit-ups, Liegestütze, Ausfallschritte – im Grunde klassische Fitnessübungen.

Auch Yoga und Übungen mit elastischen Bändern stärken die Muskeln

Auch Yoga und Übungen mit Bändern oder Geräten und Gewichten wurden in dieser Studie als Muskeltraining gewertet. Damit es einen Effekt für unsere Gesundheit hat, haben die Forschenden festgelegt, dass die Übungen mindestens zweimal pro Woche gemacht werden sollen, damit sie als Muskeltraining in die Wertung mit eingehen können.

Nicht einmal jeder Fünfte trainiert die Muskeln genug

Es stellte sich heraus, dass nur 17 Prozent, also nicht einmal jede und jeder Fünfte, die eigenen Muskeln ausreichend trainieren. Die Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Ländern sind dabei allerdings recht groß.

Skandinavier trainieren häufiger als Süd- und Osteuropäer

In nordeuropäischen Ländern haben wesentlich mehr Menschen angegeben, dass sie Übungen zum Muskelaufbau oder Muskeltraining machen. Island war ganz vorne mit dabei: Da machte jede und jeder Zweite nach eigener Aussage regelmäßig solche Übungen.

In Schweden, Deutschland, Finnland, Österreich und der Schweiz waren die Zahlen auch ganz gut – da sagten zwischen 30 und 40 Prozent, dass sie ihre Muskeln trainieren.

Viel weniger wird im Vergleich in südeuropäischen und osteuropäischen Ländern trainiert. In Rumänien machte gerade einmal ein Prozent der Befragten Muskelübungen, und auch in Polen, Spanien, Portugal und Italien sind die Zahlen ziemlich niedrig.

Training mit Hanteln: Eine junge Frau in Shorts trainiert.
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Zweimal die Woche ein Muskeltraining zu absolvieren, reicht völlig aus.

Die Forschenden haben festgestellt, dass Menschen bessere oder schlechtere Rahmenbedingungen haben können:

  • Wer über mehr Geld verfügt, trainiert mehr, weil er sich zum Beispiel eher Fitnesskurse oder ein Fitnessstudio leisten kann
  • Menschen, die auf dem Land leben, machen weniger Übungen
  • Menschen, die körperlich hart arbeiten, trainieren seltener
  • Ältere, übergewichtige und Menschen mit gesundheitlichen Problemen machen weniger Muskeltraining

Gerade solche Leute sollten mehr motiviert werden, empfehlen die Forschenden. Etwa durch:

  • mehr Fitnessparks und Fitnessgeräte im Freien
  • günstige Fitness-Kurse
  • subventionierte Sportgeräte
  • öffentliche Kampagnen, die zeigen, dass Muskelaufbau gut und gesund ist

Die neuen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 25.11.2020 eine neue Richtlinie vorgestellt. Sie besagt, dass wir zweimal pro Woche unsere Muskeln trainieren sollten. Auch die WHO empfiehlt Sit-ups oder Übungen mit Bändern.

Die neue Richtlinie der WHO geht über Muskeltraining hinaus. Auch auf Bewegung wird großen Wert gelegt. Die WHO sagte, Erwachsene brauchen pro Woche mindestens zweieinhalb bis fünf Stunden leichte bis intensive Bewegung, also mindestens 20 bis 40 Minuten pro Tag, eigentlich mehr.

Dazu zählt zum Beispiel Spazierengehen, Radfahren oder Tanzen. Wer gerne joggt, dem wird geraten, mindestens eineinhalb bis zweieinhalb Stunden pro Woche sich so intensiv zu bewegen, dass er ins Schwitzen kommt. Das heißt, so etwas wie Laufen gehen oder Ballsportarten. Und eben mindestens zweimal pro Woche irgendeine Form von Muskeltraining durchzuziehen.

Das Fazit der WHO: Die meisten von uns müssten sich wesentlich mehr bewegen und weniger herumsitzen.