Jacques Joseph ist zu den Zeiten des Ersten Weltkriegs ein berühmter Schönheitschirurg. Viele wohlhabende Menschen lassen sich Nasen und Ohren verschönern. Als der Krieg ausbricht, wird er abkommandiert - er soll Kriegsverletzten ein neues Gesicht geben.

Das Gesicht von Mustafar Ipar sieht aus wie ein aufgerissenes Fischmaul. Ihm fehlen Nase, Wangenknochen, Oberkiefer, Mund und sein rechtes Auge. Man würde nicht denken, dass man hier operativ noch irgendetwas machen könnte.

Ipar ist ein türkischer Soldat. 1918 traf ihn an den Dardanellen, eine Meerenge am Schwarzen Meer, ein Granatsplitter im Gesicht. In diesem Gebiet haben viele Schlachten stattgefunden, bei der die Türkei und das Deutsche Reich Bündnispartner waren.

"Der Erste Weltkrieg brachte Gesichter hervor, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Als die Heeresleitung mit diesen Gesichtern konfrontiert worden war - vor allem mit der Tatsache, dass die Menschen noch lebten - mussten sie sich etwas einfallen lassen."
Historikerin Annelie Ramsbrock

Vom Bahnhof Friedrichstraße aus bringt ein Krankenwagen Ipar in die Charité. Dort behandelt Jacques Joseph, Leiter der Abteilung für plastische Gesichtschirurgie - zu diesem Zeitpunkt schon weit über die Grenzen von Berlin hinaus bekannt für seine Fähigkeiten.

Joseph ist Ipars letzte Chance auf ein einigermaßen normales Leben.