Auch bei Tiermüttern kommt es vor, dass sie ihre Jungen verstoßen. Denn Muttergefühle müssen erst erlernt werden.

Tiermütter - ob im Zoo oder in freier Natur - verstoßen schon mal ihren Nachwuchs. Tierexperte Mario Ludwig sagt, dass das aber vor allem bei Säugetieren und Vögeln vorkommt, weil sie eine intensive Brutpflege betreiben. Die niederen Tiere müssen sich nicht intensiv um die Brut kümmern, deshalb können sie den Nachwuchs auch nicht verstoßen.

​Fürsorge mit Anlauf

Warum Tiermütter ihre Jungen verstoßen oder gar töten, kann mehrere Ursachen haben. Mario Ludwig erklärt, dass junge Tiermütter, die zum ersten Mal Nachwuchs bekommen, noch keine Muttergefühle entwickelt hätten. Sie wissen einfach noch nicht, wie sie ihre Jungen versorgen müssen. Als Beispiel nennt er das Gorillaweibchen Mimi aus der Stuttgarter Wilhelma. Mimi ist vor ihren ersten Jungen davongelaufen. Die Pfleger haben dann die Gorillababys groß gezogen. Erst bei ihrem achten Baby hat Mimi angefangen, sich darum zu kümmern.


Dass Tiere Muttergefühle lernen können, haben Forscher mit einem Experiment bei Rattenweibchen nachgewiesen. Die Wissenschaftler haben Rattenweibchen, die noch nie geworfen hatten, Rattenbabys in den Käfig gesetzt. Die Weibchen ignorierten die Jungen oder töteten sie. Nachdem die Forscher das mehrfach wiederholt hatten, begannen die Weibchen irgendwann die Jungen abzulecken und sich schließlich um sie zu kümmern.

Reiner Pragmatismus

Ein anderer Grund für das Verstoßen des Nachwuchs kann auch eine negative Erfahrung des Muttertiers mit früherem Nachwuchs sein wie eine besonders anstrengende Geburt oder Schmerzen beim Säugen. Bei Katzen wurde beobachtet, dass wenn der Wurf besonders groß ist, das kleinste oder schwächste Junge verstoßen wird, weil die Milch nicht für alle Jungen reicht. Auch kranke oder behinderte Tierkinder werden verstoßen. Rein psychische Gründe für das Verstoßen von Tierkindern halten die Experten eher für die Ausnahme.

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