Wenn Mykorrhiza-Pilze zusammen mit Tomaten aufwachsen, werden die Tomaten nicht nur gesünder, sondern auch süßer. Das hat bisher nur in der freien Natur geklappt. Forschende haben nun eine Symbiose im Gewächshaus entstehen lassen.

Tomaten aus Deutschland schmecken im Herbst meist sehr fad, denn die Ernte stammt vollständig aus dem Gewächshaus. Forschende aus Sachsen-Anhalt wollten herausfinden, wie auch Tomaten aus dem Gewächshaus mithilfe von Mykorrhiza-Pilzen zu einem Gaumenschmaus werden können.

Mykorrhiza-Pilze wachsen im Boden und bilden mit vielen Pflanzenarten die gleichnamige Mykorrhiza-Symbiose. Dabei verbindet sich das Pilzgeflecht im Boden mit den Wurzeln der Pflanze und tauscht darüber Nährstoffe mit ihr aus, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

"Mykorrhiza-Pilze wachsen im Boden und bilden eine Symbiose mit vielen Pflanzenarten."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wie bereits einige Studien belegt haben, geben die Pilze dabei den Tomaten Phosphor und bekommen dafür Zucker. Die Tomaten erhalten dadurch einen besseren Geschmack und gesunde Inhaltsstoffe. Das hat bisher allerdings nur unter freiem Himmel funktioniert.

Weniger Phosphor verhilft zur Symbiose

Denn die Mykorrhiza-Pilze sind ziemlich anspruchsvolle Freunde und sind bisher mit der Bewirtschaftung in einem Gewächshaus nicht klargekommen. Dort wachsen die Tomaten meistens auf pflegeleichten Kokosmatten, Nährstoffe wie Phosphor kommen dann tröpfchenweise aus der Leitung. Für eine Gärtnerei ist das praktisch - für die Mykorrhiza-Symbiose nicht.

Erstens gefallen den Pilzen die Kokosmatten nicht, da sie möglicherweise fungizid wirken. Und zweitens stellt auch die ständige Düngerzufuhr für die Pilze ein Problem dar. Denn Tomaten gehen mit den Pilzen eine Symbiose nur ein, wenn sie wirklich etwas von den Pilzen gebrauchen können - zum Beispiel das Phosphor, das sie bisher immer aus der Leitung erhalten haben.

Weniger Phosphor, mehr Wohlfühlumgebung

Die Forschenden hatten deshalb die Idee, den Tomaten einfach den Phosphor-Hahn abzudrehen. Dabei stellte sich heraus, dass bereits eine leichte Unterversorgung von 80 Prozent ausreichte.

Damit sich die Pilze auch in der Umgebung der Tomaten wohlfühlen, haben die Forschenden zusätzlich ein extra Substrat entwickelt, das neben Kokosfasern auch Torf und Lehm enthält. Diese beiden Maßnahmen haben dann dazu geführt, dass Pilze und Tomaten eine leichte Symbiose eingingen - und süßere Tomaten entstanden sind.

"Die Tomatenpflanzen haben unter anderem mehr Zucker gebildet, der ist wichtig für den Geschmack. Und andere Stoffe waren auch drin, die womöglich gut sein könnten für unsere Gesundheit."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Methode hat sogar noch einen Vorteil für die Umwelt: Denn dadurch, dass sich die Tomaten zum Teil den Phosphor aus den Pilzen holen, können sich die Gärtnereien etwas Phosphor sparen. Das ist auch gut so, da der weltweite Vorrat schätzungsweise in einigen Jahrzehnten aufgebraucht sein könnte.