Ein Müsli-Unternehmen hat einen DNA-Test im Angebot, der personalisierte, genbasierte Ernährung möglich machen soll. Eine einfache Ernährungsberatung tut es aber auch.

Wir analysieren deine DNA und stellen dir darauf basierend das perfekte Müsli zusammen. Das ist das Versprechen des Müsli-Shops Mymüsli. Konkret läuft das so ab:

Wer will, bestellt sich das DNA-Testkit (kostet mindestens 189 Euro). Darin enthalten ist ein Speichel-Selbsttest, also ein Wattestäbchen und ein Röhrchen. Ein Labor analysiert aus dem Speichel die DNA, ein paar Wochen später kommt ein Ergebnisbericht von circa 50 Seiten.

Auf Basis dieses Berichtes bekommen die Kundinnen und Kunden von Mymüsli einen maßgeschneiderten Ernährungsplan für 14 Tage, Rezepte inklusive. Das Versprechen des Unternehmens: "Mit unserem Ernährungstest findest du heraus, welcher Stoffwechsel- und Sporttyp du bist und erhältst Informationen über deine genetische Neigung zu Übergewicht, Hungergefühl und dem sogenannten Jojo-Effekt."

Algorithmus analysiert Genvarianten

Nach Angaben des Unternehmens ist die aufs eigene Erbgut zugeschnittene Ernährung wissenschaftlich gesichert. Grundlage für das Ergebnis und den Ernährungsplan ist ein Algorithmus - "der ist aber nicht näher definiert", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Stang.

Der Algorithmus soll das Zusammenspiel von 23 genetischen Variationen auf 19 Genen untersuchen, die mit verschiedenen Stoffwechselvorgängen im Körper assoziiert sind. Daraus wird dann der Ernährungsplan bestimmt.

Aber: "Je nach Alter ändert sich der Bedarf an Nährstoffen, das steht in diesen Genvarianten aber nicht", erklärt Michael Stang. Experten bezweifelten außerdem, dass es überhaupt möglich ist, einen so konkreten Zusammenhang herzustellen zwischen den Genen und der Art und Weise, wie der Körper Lebensmittel aufnimmt. Die Forschung stünde in diesem Bereich noch am Anfang.

"Jede herkömmliche Ernährungsberatung dürfte schneller zum Ziel einer ausgeglichenen Ernährung führen."
Michael Stang, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Eine der DNA angepasste Ernährung kann möglicherweise wirklich etwas bringen, sagt Michael Stang. "Aber jede herkömmliche Ernährungsberatung dürfte schneller zum Ziel einer ausgeglichenen Ernährung führen." Dort wird dann erklärt, dass man nur die Kalorien zu sich nimmt, die der Körper braucht, um einer Mangelernährung vorbeugen. Oder dass man Sachen nicht isst, die man vielleicht nicht gut verträgt. "Das geht auch ohne DNA-Test", so Michael Stang.

DNA-Daten sollen sicher sein

Michael Stang sieht außerdem noch den Datenschutz kritisch. Auf der Homepage von Mymüsli heißt es: "Deine Daten sind sicher. Die werden auf Servern mit höchsten IT-Sicherheitsstandards gespeichert und darüber hinaus nicht an Dritte weitergegeben."

Datenschützerinnen und -schützer empfehlen, sich gut zu überlegen, was wir mit unseren DNA-Daten anfangen. "Denn wenn die Daten einmal verfügbar sind, ist Missbrauch immer möglich", sagt Michael Stang. Die Firma Family-Tree-DNA hat zum Beispiel voriges Jahr rund zwei Millionen Profile ihrer Kundinnen und Kunden dem FBI zugänglich gemacht - ohne dass die dem zugestimmt hatten.

Ein weiterer Kritikpunkt: Seit 2010 gibt es das Gendiagnostikgesetz. "Da stehen strenge rechtliche Bestimmungen für medizinische DNA-Tests drin", sagt Michael Stang. "Unter anderem ist eine ärztliche Beratung zwingend vorgesehen." Der Müsli-DNA-Test versteht sich allerdings als Lifestyle-Produkt und falle laut Mymüsli nicht unter diesen Ärztevorbehalt.

"In der Vergangenheit hat es eben bei Firmen, die solche genetischen Tests für Privatpersonen anbieten, schon Beispiele gegeben, wo die Daten eben nicht gut geschützt waren und es zu Missbrauch kam."
Michael Stang, Deutschlandfunk-Nova-Reporter