Olympia ist vorbei. Fabian Hambüchen oder auch Paul Biedermann wollen nicht mehr - sie hören auf mit dem Sport. Aber die Muskeln sind noch da, auch das sogenannte Sportlerherz. Nach dem Auftrainieren, kommt jetzt das Abtrainieren.

Der Turner Fabian Hambüchen, der Schwimmer Paul Biedermann oder die Hammerwerferin Betty Heidler: Sie beenden ihre Sportkarriere. Einfach ab auf das Sofa und Füße hoch, geht nicht. Hochleistungssportler müssen gezielt abtrainieren.

Betty Heidler beim Hammerwerfen.
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In Rio hat Betty Heidler knapp eine Medaille verpasst. Sie kam auf Platz vier beim Hammerwerfen.

Ähnlich dem Auftrainieren, müssen die Sportler abtrainieren, sagt Sportmediziner Oliver Tobolski. Das kann etwa zwei Jahre dauern. Bei einem extrem trainierten Sportler müssen das Herzkreislaufsystem, das Nervensystem und die Muskulatur genug Zeit haben, um wieder den Normalzustand zu erreichen.

Zum Beispiel ändern sich die Spannungszustände der Muskulatur bei intensivem Training. Das bedeutet, dass die Sportler erst einmal weiterhin intensiv ihre Muskeln dehnen müssen, sonst tut es weh.

Die Herzfrequenz ist bei einem Sportler relativ niedrig

Auch das Herzkreislaufsystem kann Schaden nehmen, trainieren die Sportler nicht richtig ab. Denn erst einmal behalten sie ihr sogenanntes Sportlerherz, das weniger oft kontrahieren muss. "Die Herzfrequenz ist immer noch so niedrig wie bei einem Leistungssportler", sagt Tobolski.

"Wir brauchen keine Maximalbelastung, wir brauchen eine dosierte Ausdauerbelastung."

Beim Abtrainieren geht es deshalb nicht darum, hohe Herzfrequenzen zu erreichen, sondern eher um Ausdauer. Die Sportler signalisieren ihrem Körper, dass er nicht mehr permanent Hochleistung bringen muss, aber dass er noch gefordert wird, sagt Tobolski.

Bleibt noch die Psyche der Sportler, die sich nicht so einfach auf- und abtrainieren lässt. Wenn der Sport lange Zeit Hauptinhalt des Lebens war, dann fallen viele Hochleistungssportler nach dem Karriereende in ein tiefes Loch. Schafft man es, sich neu zu orientieren - parallel oder im Anschluss an den Sport - dann hilft das gegen die tiefen Löcher, so der Sportmediziner.