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Das Haus, in dem Nora Da Silva und ihr Mann gelebt haben, wurde durch das extreme Hochwasser im Juli weggerissen. Die beiden leben inzwischen bei den Eltern und warten darauf, ein neues Haus zu beziehen. Allerdings fehlt ihnen der komplette Hausrat, um das neue Haus zu einzurichten.

Blessem ist ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Der Ort war im Juli besonders hart vom Starkregen und vom anschließenden Hochwasser betroffen. Mehrere Gebäude stürzten in dem Ort ein, nachdem ein Damm gebrochen war, großen Mengen Wasser in eine Kiesgrube geströmt waren und dabei die Häuser unterspült hatten. In einem der Häuser hatten Nora Da Silva und ihr Mann gewohnt. Ihr Haus war zunächst noch in Teilen stehengeblieben, war jedoch so stark beschädigt, dass es später abgerissen wurde.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Felicitas Boeselager berichtet über die Gedenkveranstaltung zur Flutkatastrophe
"Bei dieser Gedenkveranstaltung wurde noch einmal darüber gesprochen, was die Menschen in dieser Flutnacht aushalten musste. Die Trauer ist noch sehr akut."

Auf die Frage, wie es Nora heute, etwa einen Monat nach der Flutkatastrophe gehe, sagt sie, es sei schon alles sehr schlimm, aber es sei auch nicht das Ende der Welt. "Das Leben geht weiter und es sind ja auch in Anführungszeichen nur materielle Dinge, die wir verloren haben. Das muss man sich halt immer wieder vor Augen rufen. Das hätte alles viel, viel schlimmer kommen können", sagt sie.

Unterschlupf bei den Schwiegereltern

Zusammen mit ihrem Mann wohnt Nora nun übergangsweise bei den Schwiegereltern. Sie sagt, das hat Vor- und Nachteile. Zum Beispiel werden die beiden bestens versorgt und bekocht. Aber sie freut sich auch darauf, wenn sie mal wieder ihren eigenen Haushalt hat.

"Wir werden immer lieb bekocht, es ist fast wie im Hotel. Aber es ist natürlich auch schön, wenn man mal wieder selber wieder die Töpfe und Pfannen schwingen kann."
Nora Da Silva, Betroffene der Flutkatastrophe in Erftstadt

Vonseiten der Stadt hätte Nora sich etwas mehr Unterstützung gewünscht. Sie sagt, bei der Suche nach Informationen zu Hilfen, seien sie schon ziemlich auf sich alleine gestellt: "Es kommt jetzt keiner von der Stadt, nimmt den Hörer in die Hand und sagt: 'Wir haben die und die Infos. Das und das müsst ihr tun.' Das passiert einfach nicht.

"Nach wie vor muss ich leider sagen, das hätte man als Stadt vielleicht besser hinkriegen können."
Nora Da Silva, Betroffene der Flutkatastrophe in Erftstadt

Die Stadt hatte vor ein paar Wochen veranlasst, die Reste des zerstörten Hauses abzureißen, weil das Gebäude nicht mehr zu retten war. Die früheren Bewohner waren jedoch nicht darüber informiert worden. Die Möglichkeit, noch irgendetwas zu retten, war verloren. Nora sagt: "Keine materiellen Dinge sind es wert, dass sich irgendjemand, ob es ein Baggerfahrer, ob es ein Feuerwehrmann ist oder sonst jemand in Gefahr bringt. Aber natürlich hätte man vielleicht anders vorgehen können als das, was halt noch stand, einfach plattzuwalzen.“

"Es ist so ein bisschen ironisch. Wir haben dann ein Haus, was wir quasi fast komplett neu bauen, aber wir haben ja keinen Inhalt."
Nora Da Silva, Betroffene der Flutkatastrophe in Erftstadt

Für Nora und ihren Mann ist das also ein völliger Neustart. "Aus unserer Vergangenheit haben wir überhaupt nichts." Nach und nach fangen sie nun damit an, sich neu auszustatten. Nora sagt, es sei fast schon ironisch. Das Haus, von dem nur noch drei Grundmauern übrig geblieben sind, wird jetzt neu aufgebaut. Aber derzeit hat das Paar noch überhaupt keinen Inhalt, um dieses Haus irgendwann zu füllen.

"Ich hoffe, dass ich mich irgendwann wieder zuhause fühlen kann"
Nora Da Silva, Betroffene der Flutkatastrophe in Erftstadt

Nora sagt, ihr großer Wunsch für die Zukunft ist es, wieder einen Ort zu haben, an dem sie sich sicher und zuhause fühlt.