Ab dem 20. März entfällt die Pflicht für das Homeoffice. Vermutlich freut das nicht alle Angestellten. Lassen die sich durch Anreize zurück ins Büro locken? Braucht es gar einen "Büro-Zwang"? Die Gewerkschaften wollen die Zukunft des Homeoffices diskutieren, die Arbeitgeber eher nicht.

Im Bund-Länder-Beschluss vom 16. Februar 2022 heißt es zum Thema Homeoffice: "Arbeitgeber können aber weiterhin im Einvernehmen mit den Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice anbieten, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen und diese im Interesse des betrieblichen Infektionsschutzes liegt."

Homeoffice-Pflicht entfällt

Die Formulierung ist recht vage und lässt den Unternehmen viel Spielraum, so unsere Reporterin Ilka Knigge. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil fordert zwar weiterhin ein Recht auf Homeoffice, doch bislang wurde das nicht per Gesetz verankert.

"Arbeitgeber haben Spielraum. Denn es gibt kein Gesetz, das das Recht auf Homeoffice festlegt."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Arbeitgeber freut es, denn sie sehen ein Recht auf Homeoffice skeptisch bis ablehnend. Diese Haltung erlebt auch die Arbeitspsychologin Hannah Schade vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Sie forscht zum Thema Homeoffice in der Pandemie und begleitet Firmen in Umstellungsprozessen. Dabei trifft sie immer wieder auf eine "Rückwärtsgewandtheit", so Hannah Schade.

"Leider sehen wir da immer wieder, dass Entscheider Angst davor haben, wirklich nachhaltige Veränderungen zu erlauben."
Hannah Schade, Arbeitspsychologin, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Ein häufiges Argument ist, dass die Arbeit vor Ort, also im Büro, am besten laufen würde. Die Arbeitgeber behalten dann die Kontrolle, wie viel oder wenig die Angestellten arbeiten. "Leider ist diese Haltung ausschließlich mit Rückwärtsgewandtheit zu erklären", sagt Hannah Schade. "Man kann definitiv nicht sagen, dass diese Haltung datenbasiert wäre."

In den USA werden teils Arbeitnehmer*innen zurück gelockt

Auch in den USA wollen die Unternehmer*innen gerne, dass ihre Angestellten zurückkehren. So bietet ein US-Medienunternehmen Mitarbeitenden eine Aufwandsentschädigung von 75 Dollar für die Fahrt ins Büro an, berichtet die BBC. Eine PR-Agentur in London wiederum spendiert montags Frühstück und freitags Drinks ab 16 Uhr, denn die Chefetage hat festgestellt, dass montags und freitags niemand ins Büro will.

Doch, ob das der richtige Weg ist, ist fraglich. Wichtig ist vielleicht eher zu verstehen, warum Menschen lieber zu Hause arbeiten oder auch nicht.

Hannah Schade hat durch ihre Forschung festgestellt, dass Homeoffice für die Menschen Entlastung und Belastung zugleich ist. Deshalb freuen sich durchaus auch einige wieder ins Büro zu gehen, aber sie haben Angst vor einem Zwang.

"Es ist ein echt effizientes Instrument, wenn man versucht über Präsenz Leistung und Motivation und meinetwegen auch mentale Gesundheit herstellen zu wollen."
Hannah Schade, Arbeitspsychologin, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Und statt Frühstück und Drinks sei es besser in andere Maßnahmen zu investieren, damit Arbeitnehmer*innen gerne oder lieber im Büro sind. Dazu gehört Teambuilding oder eine angenehmere Arbeitsumgebung. Aber kein Zwang.

  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova