Immer wieder tauchen kritische Berichte über den Dax-Konzern Wirecard auf, zuletzt auch in der Financial Times. Deshalb rauscht die Aktie immer wieder in den Keller. Zuletzt gab es einen Einbruch von rund 30 Prozent. Jetzt hat die Finanzaufsicht Bafin Spekulationen mit der Wirecard-Aktie erstmal verboten. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen den Verfasser der kritischen Artikel in der Financial Times.

Wenn wir etwas im Netz bestellen, kann es sein, dass das Unternehmen Wirecard die Finanzabwicklung macht. Wirecard sitzt im bayerischen Aschheim und wickelt gegen Gebühr für Firmen in aller Welt Online-Zahlungen ab. Das Unternehmen hat Niederlassungen auf der ganzen Welt und ist im Deutschen Aktienindex (Dax) vertreten. 

Das Unternehmen ist nicht das erste Mal in die Schlagzeilen geraten, erklärt Mischa Ehrhardt aus unserer Wirtschaftsredaktion. Immer wieder gab es Verdächtigungen und Gerüchte. Und das habe auch mit der Kommunikation des Unternehmens nach außen zu tun, die durchaus zu wünschen übrig lasse. 

"Wirecard ist nicht ganz transparent. Das schürt Gerüchte. Dafür ist dieses Unternehmen anfällig."
Mischa Ehrhardt, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftskorrespondent

Aber das ist nicht die einzige Erklärung für Gerüchte. Denn mit schlechten Schlagzeilen über Aktienunternehmen lässt sich auch Geld machen. 2008 zum Beispiel sprach die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) von "Ungereimtheiten" bei Wirecard. Später kam heraus, dass dies eine Falschmeldung war. Der Chef der Schutzgemeinschaft hatte auf fallende Kurse von Wirecard gesetzt und deswegen diese Gerüchte gestreut. Er wurde wegen Kursmanipulation verurteilt.

2016 gab es einen ähnlichen Fall: Ein Nachrichtendienst berichtete von kriminellen Machenschaften bei Wirecard. Auch dieser Nachrichtendienst hatte ein Interesse an fallenden Kursen und betrieb auf diese Art Marktmanipulation. 

Bafin verbietet jetzt Leerverkäufe von Wirecard Aktien

Jetzt hat die Bundesfinanzaufsicht Bafin ein Verbot von Leerverkäufen von Wirecard Aktien verhängt. Bei Leerverkäufen leiht man sich Aktien von jemand anderem und verkauft sie dann am Markt zu einem bestimmten Kurs. Fällt dieser Kurs, kauft man sie billiger wieder zurück und gibt sie dem Verleiher wieder. Unterm Strich hat man mit dem Leerverkauf dann also Gewinn gemacht. Man spekuliert also auf einen fallenden Kurs.

Solche Spekulationen haben auch eine positive Seite erklärt Mischa Erhardt: Investoren können sich damit gegen Verluste absichern. Außerdem können Leerverkäufe auch auf Missstände in Unternehmen aufmerksam machen und zeigen: Achtung, hier könnte der Kurs fallen!

"Aber wenn diese Leerverkäufe im großen Stil passieren, in Verbindung mit Gerüchten, dann ist das Kursmanipulation."
Mischa Ehrhardt, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftskorrespondent

Weil durch Kursmanipulationen bei Leerverkäufen aber auch die Finanzstabilität gefährdet wird, können sie zeitweise auch komplett unterbunden werden. Das gab es zum Beispiel während der Finanzkrise. Damals verbot die Bundesfinanzaufsicht Bafin Leerverkäufe für Banken. Und jetzt hat sie also auch Leerverkäufe für Wirecard ausgesetzt. Eben weil sie die Finanzstabilität gefährden und das Marktvertrauen untergraben, erklärt unser Wirtschaftkorrespondent.

Damit will die Bafin den Markt absichern. Denn Wirecard ist im Dax notiert, in dem die 30 wichtigsten Börsen-Unternehmen Deutschlands vertreten sind. Wenn die Aktie so eines Unternehmens um 20 bis 30 Prozent abstürzt, dann schmiert der Dax gleichzeitig mit ab, so Mischa Erhardt.  

Financial Times besteht auf Richtigkeit ihrer belastenden Recherchen

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt jetzt gegen den Verfasser der kritischen Artikel in der Financial Times. Dort war über mögliche Bilanzmanipulationen und Geldwäsche in einer Wirecard-Niederlassung in Singapur berichtet worden. Die Financial Times besteht darauf, dass ihre Berichte richtig sind. 

Das Unternehmen Wirecard sagt, es gäbe eine Untersuchung in Singapur, aber die stehe kurz vor dem Abschluss und habe bislang kein Fehlverhalten der Mitarbeiter nachgewiesen. Noch steht also Aussage gegen Aussage.

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