Wirecard – kennt ihr nicht? Ist aber ein heißer Kandidat für den Aufstieg in den Dax. Das Unternehmen hat bereits die Deutsche Bank als wertvollstes Geldhaus in Deutschland abgelöst.

Wirecard sitzt in München und verdient Geld mit der Abwicklung von Zahlungen beim Online-Shopping. Das ist ein bisschen so wie bei Paypal. Heißt: Wirecard stellt Finanzdienstleistungen im Internet zur Verfügung. Das Geschäftsmodell von Wirecard geht aber vor allem darüber hinaus, denn das Unternehmen fungiert auch als Bürge.

"Selbst wenn ich mit Paypal bezahle, kann es passieren, dass ich mein Geld erst mal an Wirecard überweise und Wirecard bürgt dann beim Händler dafür, dass das Geld auch ankommt."
Michael Watzke, Korrespondent in Bayern

Für diesen Service zweigt Wirecard eine Kommission ab. Eine Art Zwischenhändler also für den sicheren und garantierten Geldtransfer. Zudem hat Wirecard eine Vollbanklizenz. Das heißt, das Unternehmen bietet auch Kreditkarten, Konten und andere Bankleistungen an. Allerdings weniger an einzelne Kunden als vielmehr an Unternehmen, Händler und größere Organisationen.

"Ja, Wirecard ist eine Bank, aber eine spezielle Bank, die mit der Deutschen Bank nur bedingt vergleichbar ist."
Michael Watzke, Korrespondent in Bayern

Im Gegensatz zur Deutschen Bank profitabel

Das Erfolgsrezept des zukünftigen Dax-Kandidaten: 

  • Besonders gute Finanztechnologie
  • Spezialisierung auf Zahlungen mit dem Smartphone
  • Wenige Leute erwirtschaften eine unglaublich hohe Gewinnmarge
"Mit etwa 4600 Angestellten erwirtschaftet Wirecard eine unglaublich hohe Gewinnmarge, die fast bei 30 Prozent liegt. Im Vergleich dazu die Deutsche Bank : 95.000 Mitarbeiter - die macht derzeit Verluste."
Michael Watzke, Korrespondent in Bayern

Was nach einem jungen Startup klingt ist in Wirklichkeit ein Unternehmen, das bereits 1999 gegründet wurde. Angefangen hat Wirecard mit Finanzdienstleistungen für Unternehmen aus der Casino- und Pornobranche. Denn das waren die ersten Unternehmen, bei denen Kunden über das Internet bezahlt haben, als Online-Banking noch nicht so weit verbreitet war.

Das hängt Wirecard tatsächlich auch noch ein bisschen nach. Denn bei der für Wirtschaftskriminalität zuständigen Staatsanwaltschaft München I gibt es Vorermittlungen gegen Wirecard in Sachen Glückspiel und möglicherweise Unterstützung  von illegalem Glückspiel. Das seien allerdings nur Vorermittlungen, betont auch die zuständige Staatsanwaltschaft. Strafrechtliche Ermittlungen sind bei Wirecard bisher noch nie vorgenommen worden.

"Das Unternehmen selber sagt: Da wollen uns immer wieder Konkurrenten schaden. Die wollen, dass unser Aktienkurs runtergeht, damit man uns möglicherweise übernehmen kann."
Michael Watzke, Korrespondent in Bayern

Mit dem Aufstieg in den Dax hat das Unternehmen aber längst nicht alle Ziele erreicht, sagt Wirtschaftsjournalist Michael Watzke. Wirecard will vor allem das Bezahlen mit dem Smartphone in Europa voranbringen. In China ist das Unternehmen fast schon Marktführer.

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