Brutal, blutig, Brauchtum. Das erste Mal seit 30 Jahren ist ein Torero in Spanien beim Stierkampf getötet worden. Nach der Tradition muss auch die Mutter des Stieres sterben. Zehntausende Spanier wollen das verhindern. Ob sie damit auch der Abschaffung des Stierkampfs näher kommen?

Für die einen Milliardengeschäft, für andere spanische Tradition und für wieder andere einfach nur Tierquälerei. Die Diskussion um Stierkämpfe in Spanien ist nicht neu, hat durch den Tod eines Toreros aber neues Futter bekommen. Dass sich sobald wirklich etwas ändert, bezweifelt Spanien-Korrespondentin Juli Rutsch.

Den Stammbaum auslöschen

Anlass des Protests ist besonders ein Teil des Brauchtums: Demnach soll auch die Familie, besonders die Mutter des Stieres, geschlachtet werden. "Das hat mehrere Gründe: Der Stammbaum des Stieres soll ausgelöscht werden", sagt Juli Rutsch. Außerdem soll so einem Wertverlust vorgebeugt werden.

"Es geht auch um Rache: Weil man die Scham gegenüber dem Torero und dem Stierkampf generell rächen möchte."
Juli Rutsch, DRadio Wissen

Denn Stiere, die mit einem Tier verwandt sind, das einmal getötet hat, sind in den Kampfarenen nicht gerne gesehen. Und bringen eben nicht so viel ein. Über diese "Blutrache" entbrennt der Streit nicht nur bei uns in Social Media, auch in Spanien geht es zur Sache.

Ende des "Kulturguts"?

"Das ganze muss ein Ende haben" fordert eine Online-Petition - aufgezogen an dem Fall Lorenza, so heißt die Mutter des Stieres. In Katalonien und seit Kurzem auch den Kanarischen Inseln ist Stierkampf bereits verboten. Ebenso soll auf den Balearen bald ein Verbot kommen. "Gefühlt gibt es in Spanien nur eine Minderheit, die Pro-Stierkampf ist", sagt Juli Rutsch, "ich glaube jedoch nicht, dass Stierkämpfe wieder ernsthaft diskutiert werden".

Seit 2013 gilt die Corrida offiziell als "Kulturgut". Und sie hat immer noch Anhänger - nicht nur aus der Tourismusindustrie, für die der Kampf Torero gegen Stier nach wie vor ein Milliardengeschäft ist. Gerade in der älteren Generation wird dieses Brauchtum hochgehalten, berichtet Juli Rutsch. Zwar ist die Zahl der Kämpfe in den letzten Jahren gesunken, es sind jedoch immer noch fast 2.000 jährlich.

Insofern wird der Protest einen langen Atem haben und die Debatte generell anheizen müssen - auch über den aktuellen Fall hinaus.