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Es ist die perfekte Wohnung für Teresa: Hohe Decken, Altbau, gute Akustik. Denn als Berufsmusikerin spielt sie täglich stundenlang Harfe. Ihr Nachbar ist aber nicht glücklich über den Einzug. Teresa versucht, das passiv-aggressive Verhältnis zu lösen.

Jeden Tag spielt Teresa Harfe – und zwar zwischen drei und fünf Stunden: "Je nachdem, was ich sonst am Tag zu tun habe morgens, nachmittags, total verteilt, oder auch mal am Stück länger", erzählt die Harfenistin, die gerade ihren Master in Musik macht.

"Es kann schon passieren, dass ich mal für vier Monate ein zeitgenössisches Stück übe."
Teresa über ihren Beruf als Harfenistin

Zwar hat Teresa viele unterschiedliche Stücke drauf, aber meistens übt sie ein einzelnes für längere Zeit und wiederholt dabei immer wieder die selben Stellen.

Ein wunderschönes Harfenkonzert am Nachmittag ist für ihre Nachbarn also nicht drin. "Das klingt dann nicht wie die romantische Melodie, die da mal zum Fenster reinfliegt", beschreibt Teresa selbst. "Ich wäre nicht gerne meine Nachbarin."

Teresa beschallt ihre Nachbarn dauerhaft mit Musik

Ihre Mitbewohnerin stört die Musik nicht. Aber besonders der Nachbar, der über Teresa wohnt, ist sauer über den Lärm. Schon als sie eingezogen war und sich mit dem Instrument eingerichtet hatte, gab es Ärger, erinnert sich die Musikerin: "Sofort kam von oben ein Trampeln." Teresa spielte trotzdem weiter.

Abends ging sie hoch zum Nachbarn und stellt sich mit einer Flasche Wein und Schokolade vor. Teresa schlug einen Kompromiss vor: "Ich muss das natürlich machen, ich bin Berufsmusikerin. Aber ich bin bereit, über Zeiten zu sprechen." Der Nachbar reagierte resigniert: "Er war leider nicht so bereit dazu, zu diskutieren."

"Wir hatten jetzt ein Jahr lang eine relativ distanzierte und unfreundliche Nachbarschaft."
Teresa über ihr Verhältnis zu ihrem Nachbarn

Ab dann hört Teresa immer wieder ein Klopfen auf ihre Decke, wobei sie stets konsequent weiterspielt. "Ich dachte: Was soll ich machen? Er kann ja jederzeit klingeln, wenn er was ändern möchte", beschreibt die Musikerin die Situation. "Und ich habe keine andere Möglichkeit, außer zu Hause zu spielen." Das geht ein Jahr lang so.

Schließlich eskaliert die Situation: "Ich hatte eine Freundin und Kollegin zum Proben da, was natürlich eine Doppelbelastung war: Die spielt Cello", erzählt Teresa. Der Nachbar habe dann zehn Minuten am Stück von oben geklopft. "Es war wirklich krass." Doch damit kommt auch der Wendepunkt.

"Neuerdings sind wir im Gespräch."
Teresa über ihre Beziehung zu ihrem Nachbarn

Nach der Probe geht Teresa nochmal zu ihrem Nachbarn hoch: "Diesmal habe ich mich nicht getraut zu klopfen und habe ihm einen Zettel vor die Tür mit einem Bier gestellt und habe mich entschuldigt, dass es so laut war."

Bald darauf erhält sie einen Zettel zurück, mit einer Entschuldigung für die "heftige Reaktion", berichtet die Musikerin: "Er hat einfach sehr viel Stress in der Arbeit und die Zeit belastet ihn sehr. Aber er wünscht mir alles Gute, weil es ja auch nicht einfach sei für Künstler gerade." Inzwischen ist Teresa optimistisch: "Ich glaube, wir haben jetzt so etwas wie eine Akzeptanz untereinander hergestellt."