Mehr als 25 Jahre dauert der Namensstreit zwischen Griechenland und dem Nachbarland Mazedonien schon. Trotz Protesten von Nationalisten deutet sich in dem Konflikt eine Lösung an.

Am Wochenende demonstrierten rund 90.000 Griechen in Thessaloniki dagegen, dass das die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien heißen darf. Warum? Der nördliche Teil Griechenlands heißt genauso.

Der nördliche Teil Griechenlands heißt auch Mazedonien

Die Demonstration wurde hauptsächlich von Ultranationalisten und teilweise Rechtsextremen organisiert, berichtet der Journalist und Podcaster Krsto Lazarevic. Aber auch andere Griechen haben ein Problem mit dem Namen des Nachbarlandes, räumt er ein. Denn der nördliche Teil Griechenlands heißt ebenfalls Mazedonien, und das stört die Namenskritiker aus zwei Gründen:

Erstens gibt es Ängste, dass Mazedonien eines Tages Gebietsansprüche stellen könnte. Lazarevic wertet das allerdings als vorgeschobenen Grund, da Mazedonien im Gegensatz zu Griechenland über gar kein Militär verfüge.

"Worum es eigentlich geht, ist das historische Erbe."
Krsto Lazarevic, Journalist und Podcaster

Der eigentliche Punkt sei aber laut Lazarevic, dass sowohl das Land als auch die Region Mazedonien das gleiche historische Erbe von Alexander dem Großen für sich beanspruchen.

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In der Verfassung wird Mazedonien zwar Mazedonien genannt, offiziell in der UNO heißt das Land aber nach wie vor "Former Yugoslav Republic of Macedonia" - Mazedonien hätte seinen Landesnamen, wie er in der Verfassung steht, gerne anerkannt.

Griechenland blockiert Mazedoniens EU-Beitritt

Und das ist noch nicht das einzige Problem: Der Namensstreit hat für das Land Mazedonien ganz konkrete Folgen, sagt Lazarevic. So blockiert Griechenland sowohl den EU-Beitritt Mazedoniens als auch dessen Nato-Mitgliedschaft.

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Immerhin: In dem Konflikt zeichnet sich eine Lösung ab, erzählt Krsto Lazarevic: Die neue mazedonische Regierung zeigt offenbar Bereitschaft, über den Namen zu reden, wenn das Wort "Mazedonien" darin auftaucht.

Griechenland und Mazedonien wollen reden

Und auch der griechische Ministerpräsident Tsipras zeigt sich kompromissbereit. Künftig könnte Mazedonien also möglicherweise "Neu-Mazedonien", "Nord-Mazedonien" oder "Ober-Mazedonien" heißen. Für die griechischen Nationalisten kommt auch eine solche Lösung  nicht infrage, das haben sie in Thessaloniki deutlich klar gemacht.

"Die Debatte ist absolut albern."
Krsto Lazarevic, Journalist und Podcaster

Krsto Lazarevic kann die ganze Diskussion nicht wirklich nachvollziehen, das zugrunde liegende Geschichtsbild findet er "schräg". Zudem gebe es auch in anderen Regionen der Erde solche Namensdoppelungen – ganz ohne Ärger, argumentiert er: zum Beispiel die Provinz Luxemburg in Belgien, die sogar größer ist als der Staat Luxemburg selbst, oder die Innere Mongolei, die zigfach mehr Einwohner hat als die Mongolei selbst.