Grübeln wir zu lange, sind wir in unseren Gedanken gefangen - und das kann nerven! Grübeln ist aber auch wichtig und unterscheidet den Mensch von einem biologischen Automaten, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Ins Grübeln kommen wir vor allem, wenn es um uns herum ruhig ist – gerne abends im Bett. Dann kreisen die Gedanken und manchmal will es einfach nicht aufhören. Warum machen wir das? Warum grübeln wir?

Neurowissenschaftler Henning Beck sagt, das Grübeln sei die Crème de la Crème des Über-sich-Nachdenkens. Dabei gehe unser Gehirn noch mal die eigenen Gedanken durch, als würde es sie uns widerspiegeln. Dabei komme man aber auch schnell in nicht enden wollende Grübelschleifen.

"Das kennt jeder: man kommt aus dieser Grübelschleife einfach nicht raus. Es ist, als wolle es niemals enden."
Henning Beck, Neurowissenschaftler, über das Grübeln

Grübeln – nach innen gerichtete Aufmerksamkeit

Das Fatale am Grübeln ist, dass wir es in dem Moment, wo wir es tun, gar nicht bemerken. Das hat mit den Gehirnarealen zu tun, die in diesem Moment aktiv sind. Vor allem die seitlichen Hirnareale werden dann gebraucht, jene, die für Sprache und Erinnerung zuständig sind. Und eben auch Areale, die dafür sorgen, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf das Innere richten, so Henning Beck.

"Während des Grübelns ist man sich selten darüber bewusst, dass man grübelt."
Henning Beck, Neurowissenschaftler, über das Grübeln

Weil während des Grübelns die Hirnareale für Aufmerksamkeit und Selbstbewusstsein in Beschlag genommen werden, so Henning Beck, komme es meist erst im Anschluss zu dem Moment, in dem wir feststellen: Oh, ich habe gerade gegrübelt. Das heißt, das Selbstbewusstsein kommt erst hinterher.

Grübeln macht uns menschlich und unterscheidet uns von biologischen Automaten

Neurowissenschaftler Henning Beck sagt von sich selbst, dass er oft von seiner eigenen Grübelei sehr genervt ist. Er gibt aber zu bedenken: Wenn wir nicht ab uns zu in uns rein schauen, nachdenken und grübeln würden, würden wir immerzu affekthaft und aus dem Moment heraus handeln, was auch nicht gut sei.

"Das Grübeln ist die kleine und gemeine Schwester des Tagträumens oder des Über-sich-Nachdenkens."
Henning Beck, Neurowissenschaftler, über das Grübeln

Das Grübeln und Reflektieren mache uns als Mensch aus und unterscheide uns von einem biologischen Automaten, der irgendwelchen Programmen folgt, so Henning Beck.

Mit Grübeln rechtfertigen wir unsere Entscheidungen

Meist gehe es beim Grübeln auch gar nicht darum, zu einer Entscheidung zu gelangen. Die hätten wir meist schon vorab getroffen, sagt der Neurowissenschaftler. Die Entscheidung richte sich meist daran aus, ob wir eine Bestrafung oder eine Belohnung bekommen wollen. Beim Grübeln gehe es vielmehr darum, unsere Entscheidungen zu begründen.

"Man kann feststellen, dass Menschen eine Entscheidung sehr früh treffen. Und dann erfinden sie irgendwelche Argumente oder Begründungen dafür, um das Ganze zu rechtfertigen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler, über das Grübeln

Das Grübeln tritt also meist erst in einem zweiten Schritt ein, wenn wir uns Gedanken machen, wie wir die Entscheidung begründen können.

Tipps gegen die Grübel-Falle

Wer allzu sehr unter seiner Grübelei leidet, dem empfiehlt der Neurowissenschaftler für Ablenkung zu sorgen. Unter Menschen sein, Spiele spielen, ungewöhnliche Gespräche führen und sich überraschen lassen – das alles seien Tätigkeiten, die vom Grübeln abhalten. Monotone Tätigkeiten wie Ausdauersport hingegen bewirkten das genaue Gegenteil, sagt er.