Begraben oder verbrannt werden: Diese Möglichkeiten gab es bislang für Verstorbene. In Kalifornien ist nun ein Verfahren, das den Körper zu Dünger werden lässt, erlaubt. Es soll klimafreundlicher sein als bisherige Methoden. Ein Start-Up versucht diese Methode auch in Deutschland zu etablieren.

Irgendwann stellt sich die Frage, was nach dem Tod mit unserem leblosen Körper passiert: Kommt er in eine Urne, in einen Sarg oder wollen wir, dass unsere Überreste im Meer verstreut werden?

Nun gibt es im US-Bundesstaat Kalifornien eine neue Möglichkeit, bei der etwas Neues aus den Toten entstehen kann – und zwar Dünger. Obendrein soll das auch noch klimafreundlicher als andere Methoden sein.

Prozess soll CO2-neutral sein

Bisher wird im Zuge einer Beerdigung einiges an Energie und Material benötigt. Dabei wird CO2 freigesetzt, zum Beispiel wird fürs Einäschern Erdgas oder Heizöl benötigt. Außerdem werden bei Begräbnissen Holz, Stahl, Beton und Balsam eingesetzt.

Bei der neuen Methode hingegen sollen Bakterien die Zersetzung des Körpers übernehmen, ohne dass noch zusätzliche Energie zugeführt werden muss. Ein Sarg ist bei dieser Methode nicht nötig. So soll der Prozess CO2-neutral sein. Vereinfacht gesagt passiert genau das, was geschähe, würde man Verstorbene nicht balsamieren und anschließend begraben oder verbrennen – nur sehr viel schneller.

Ilka Knigge im Gespräch mit Till Haase vom 20.09.2022
"Binnen 40 Tagen soll dann der tote Körper weitestgehend zerfallen sein, bis auf Knochen, Zähne und nicht natürliche Elemente, wie etwa Schrauben."

Für diese Methode wird der Körper zuerst in ein Tuch gewickelt, auf Pflanzen, Holzspäne und Stroh gelegt und damit auch bedeckt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. Das alles kommt in einen dichten Behälter, dem Sauerstoff und Feuchtigkeit zugeführt werden – und dann kann das Kompostieren beginnen.

Wichtig ist, dass in dem Kasten ein Tropenklima herrscht, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. In 40 Tagen soll dann der tote Körper weitestgehend zerfallen sein, bis auf Knochen, Zähne und nicht natürliche Elemente, wie etwa Schrauben. Die Idee ist, das alles noch ein bisschen zu zerkleinern und dann zu bestatten.

In den USA kann die so entstandene Erde von den Angehörigen aber auch als Dünger, beispielsweise für ein Blumenbeet im Garten, verwendet werden.

Viele Bakterien kommen zum Einsatz

Kalifornien ist in den USA bereits der fünfte Staat, der diese Methode erlaubt. Kriminalbiologe Mark Benecke hält die Methode auch für sinnvoll. Denn unter den richtigen Bedingungen können die Bakterien ihn sehr schnell zersetzen. Diese Bakterien leben in und auf dem Körper und den Pflanzen, die ihn in dem Behälter umgeben. Und sie sind zahlreich: Schon zu Lebzeiten besiedeln mehr Bakterien unseren Körper als wir menschliche Zellen haben. Außerdem soll diese Methode klimafreundlicher als andere Bestattungsformen sein.

"Die Bakterien erzeugen Gase, die den Körper anfangs aufblähen. Auf dem Körper entstehen Risse, durch die das Gas entweichen kann und dann fällt er zusammen."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Natürlich beginnt dieser Zersetzungsprozess auch irgendwann, wenn sich eine Person in einem Sarg beerdigen lässt, erklärt Ilka Knigge. Allerdings setzt dieser sehr viel später ein als bei der Kompostierung. Außerdem sind Särge aus Holz. Dafür müssen also Bäume gefällt oder importiert werden – also ein Minus in der Klimabilanz.

Viel CO2 entsteht außerdem bei Verbrennungen, wenn ein Krematorium vor allem fossile Brennstoffe nutzt. Außerdem wird beim Einäschern das im Körper enthaltene Wasser, Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, das Kalziumsulfat und -phosphat aus den Knochen in die Luft gejagt, erklärt Mark Benecke. Klimafreundlicher wäre es, wenn diese Stoffe direkt in die Erde gelangen.

Keine Bedenken für Bodenkultur

Forschende der Washington State University haben herausgefunden, dass die Methode auch für die Bodenkultur unschädlich ist. Dafür hatten sechs Personen ihre Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt und sich nach ihrem Tod kompostieren lassen, wie CNN berichtet. Ob sich die neue Bestattungsmethode durchsetzen wird, hängt jedoch am Ende von den Wünschen der Menschen ab, schätzt Ilka Knigge die Erfolgsaussichten ein.

"In Deutschland bestand zwar lange die Sargpflicht, doch die wurde in vielen Bundesländern gelockert oder abgeschafft."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

In Deutschland versucht ein Start-Up die Methode des Human Composting zu etablieren. Die Sargpflicht, die in Deutschland lange Zeit bestand, gibt es zwar in vielen Bundesländern nicht mehr, doch es gibt immer noch einen Friedhofszwang. Das bedeutet, in Deutschland dürfen die Angehörigen weder die Asche noch die Komposterde des Verstorbenen mit nach Hause nehmen. Ausnahmen gelten bisher nur für die See- oder Waldbestattung – oder wer aus der Asche einen Diamanten anfertigen lässt.