Friederike von Wedel Parlow ist Direktorin des Studiengangs "Sustainability in Fashion" an der Modeschule Esmod in Berlin. Sie weiß, was wir am Stoff ablesen können.

Nehmen wir mal das Etikett, das innen in ein T-Shirt eingenäht ist und Informationen darüber trägt, aus welchem Material das Shirt besteht und wo es produziert wurde. Manchmal steht da "Made in Italy" oder "Portugal". Der Gedanke, dass so ein Kleidungsstück aus Europa unter besseren Bedingungen produziert wurde, als Klamotten "Made in Bangladesch" liegt nahe.

Friederike von Wedel Parlow, Professorin an der Modeschule Esmod in Berlin, sagt, dass solche Etiketten trotzdem nicht besonders aussagekräftig sind. Denn wenn nur noch das Etikett in Europa eingenäht wurde, damit am Ende "Made in Portugal" draufsteht, dann haben unsere europäischen Produktionsstandards keine weitere Bedeutung für die Entstehung eines Produkts.

"Wir können auch nicht schließen: Es ist in Bangladesch hergestellt, also ist es per se schlecht."
Friederike von Wedel Parlow, Direktorin des Studiengangs "Sustainability in Fashion" an der Modeschule Esmod in Berlin

Auf der anderen Seite gibt es auch sehr gute Produktionen in Ländern wie Bangladesch, und es ist nicht das Ziel, die komplette Textilindustrie wieder aus diesen Ländern herauszuholen. Vielmehr müssen die Produktionsbedingungen denen in Europa angepasst werden. "Jeder sechste weltweit ist in diesem Feld beschäftigt, es werden über 7000 verschiedene Chemikalien eingesetzt", sagt Friederike von Wedel Parlow, "es ist damit eine der größten Industrien mit dem höchsten Chemieverbrauch und einer großen Verantwortung für ökologische Schäden."

"Es gibt nicht das eine 100-prozentig faire Produkt."
Friederike von Wedel Parlow, Direktorin des Studiengangs "Sustainability in Fashion" an der Modeschule Esmod in Berlin

Was also kann uns helfen, nachhaltige Kleidung und Stoffe zu identifizieren? Friederike von Wedel Parlow sagt, dass Siegel, wie zum Beispiel das GOTS-Label weiterhelfen. Der Preis ist weniger aussagekräftig, aber zumindest kann man sagen, dass bei sehr billigen T-Shirts von vorneherein ausgeschlossen ist, dass der Preis Kosten für nachhaltige Produktionsbedingungen beinhaltet.

"Das nicht-gekaufte Teil ist auf jeden Fall das gesündere."
Friederike von Wedel Parlow, Direktorin des Studiengangs "Sustainability in Fashion" an der Modeschule Esmod in Berlin

Wenn Produkte nach Chemie riechen, sollte man lieber die Finger davon lassen. Nicht nur weil die Chemie dem eigenen Körper schadet, sondern weil sie sowohl bei der Produktion die Umwelt schädigt als auch dann, wenn wir solche Klamotten in die Waschmaschine stecken und die Reste der Chemikalien dann hier in unser Wasser gespült werden. Abgesehen von Chemiegeruch empfiehlt Friederike von Wedel Parlow darauf zu achten, dass Shirts und Hosen gut verarbeitet sind, denn nur dann, wenn wir Kleidungsstücke lange tragen, sind sie am Ende nachhaltig.

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