Stellen wir uns vor, jemand hat eine Million Euro auf dem Konto liegen, stirbt - und hat keine Erben. Was passiert mit dem Geld? In Deutschland erbt es 30 Jahre später die Bank.

Für "nachrichtenlose Konten" - also Bankkonten, zu denen kein Erbe ermittelt werden kann - sind in Deutschland keine besonderen gesetzlichen Regelungen vorhanden. "Die Besitzer sind also tot oder weggezogen oder haben vergessen, dass sie ein Konto voller Geld haben - jedenfalls melden sie sich nicht mehr. Und wenn sich 30 Jahre lang niemand meldet, gehört das Geld der Bank.

"Wir schlagen vor, dass das Geld nach zehn Jahren auf einen sogenannten 'Social Impact Fonds' gelegt wird. Und das über diesen Fonds gezielt soziale Innovationen, soziale Initiativen oder Startups gefördert werden können."

Dem Verein "Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland" (Send) zufolge könnte es sich dabei um bis zu neun Milliarden Euro handeln, die aktuell auf nachrichtenlosen Konten liegen und in das Eigentum der Banken übergehen könnten.

Mit so viel Geld könnte man eine Menge Gutes tun, meint der Verein Send. Darum fordert er: Das Geld soll nach zehn Jahren in einen Fonds fließen, über den gezielt Innovationen gefördert werden können, die der Allgemeinheit zugute kommen.

"In allen anderen G7-Ländern, also in den USA oder in Frankreich etwa, gibt es Regelungen. Da kommt das Geld immer sozialen Zwecken zu Gute."
Vassili Golod, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Vorbild für den Verein Send ist Großbritannien. Dort kümmert sich eine Organisation um das "herrenlose Geld", die "Big Society Capital". Auch in allen anderen G7-Ländern gibt es entsprechende Regeln. "Das deutsche Finanzministerium hat aber erstmal nicht vor, da was zu regeln", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Vassili Golod. Danyal Bayaz von den Grünen plädiert für mehr Engagement in dieser Sache.

"Die Frage ist erstmal: Ist der politische Wille da? Da habe ich beim Finanzministerium bislang nicht den Eindruck. Für mich ist das keine Frage des 'Ob' sondern des 'Wie'. Und wenn man das wirklich will, dann schafft man auch eine gesetzliche Grundlage, um an diese Gelder zu gelangen."
Danyal Bayaz, Bündnis 90/Die Grünen

Noch deutlichere Worte findet Katrin Elsemann vom Verein "Send": Sie meint, es sei eine "Schande", dass sich Politiker bei dem Thema wegducken. Schließlich rede man ja die ganze Zeit davon, dass man neue Möglichkeiten finden müsse für den Klimaschutz, für Umweltschutz und soziale Herausforderungen.