Aus dem Gazastreifen feuert die radikal-islamische Hamas Raketen auf Israel ab, die Israelische Armee antwortet mit Luftangriffen. Beim tödlichen Konflikt in Nahost spielen dramatische Bilder eine entscheidende Rolle.

Tote Kinder. Trauernde Mütter. Zerstörte Zimmer. Rauchwolken. Feuer. Der Nahostkonflikt ist auch ein Medienkonflikt, beide Seiten verbreiten Bilder von Leid und Zerstörung. Und diese Fotos werden über das Netz weitergereicht - obwohl sie manchmal lügen.

BBC-Reporter haben den Hashtag #GazaUnderAttack einmal genauer unter die Lupe genommen und die meistgeteilten Fotos untersucht. Sie kamen zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass viele Foto-Tweets gar keine aktuellen Bilder zeigen, sondern ältere Aufnahmen - und zum Teil sogar aus ganz anderen Regionen, etwa aus Syrien. Etliche Kriegsbilder stammen auch aus den Bombardierungen des Gaza-Streifens vor fünf Jahren.

"Viele Fotos zeigen gar nicht die aktuelle Lage, sondern sind zum Teil fünf Jahre alt und stammen sogar aus dem Syrienkrieg."
Panajotis Gavrilis, DRadio Wissen

Dass Bilder aus dem Kontext gerissen werden, um die Betrachter zu manipulieren, ist natürlich nicht neu. Ähnliche Beobachtungen gab es zuletzt auch in der Ukraine-Krise. "Wenn geschossen wird, dann laufen die Propagandamaschinen auf Hochtouren. Dann bestimmen Bilder die Fakten", sagt DRadio-Wissen-Reporter Panajotis Gavrilis. Da sei es dann manchen Usern auch egal, dass sie Bilder aus ganz anderen Konflikten posten, frei nach dem Motto: "Hauptsache, die Message stimmt."

Einfluss nicht unterschätzen

Dabei sollte man die Macht der Bilder nicht unterschätzen. Vor zehn Jahren sorgten die Folter-Fotos aus dem irakischen Gefängnis Abu-Ghuraib für weltweites Entsetzen: US-Soldaten hatten Gefangene an eine Hundeleine gebunden und ließen sich mit ihnen fotografieren. "Bilder haben eine unendliche Macht, sie haben viel mehr Macht als Texte", sagt die Medienwissenschaftlerin Angela Krewani von der Uni Marburg.

Als User könne man sich eigentlich niemals sicher sein, nicht auf eine Bilderlüge hereinzufallen. Man sollte sich also anschauen, wer welche Fotos postet - und ob derjenige möglicherweise bestimmte Interessen verfolgt. "Ich denke, die Leute, die die Bilder reinstellen, haben ihre Gründe", sagt Angela Krewani, "man sollte deshalb mit einer vorsichtigen Distanz versuchen, weitere Informationen abzurufen.“ Mit anderen Worten: genauer hinschauen, bevor man eben mal schnell auf Facebook oder Twitter ein dramatisches Bild teilt - und damit vielleicht einer Lüge aufsitzt.