Ein Gericht in Südchina hat Fotos von Schuldnern auf einer Musikstreaming-Plattform veröffentlicht. Viele der öffentlich an den Pranger Gestellten haben daraufhin ihre Schuld beglichen.

Ein Bezirksgericht in Nanning, der Hauptstadt der im Südwesten gelegenen Region Guangxi, hat einen kurzen Clip mit Fotos von Schuldern mit Musik unterlegt und auf die beliebte Musikstreaming-Plattform Douyin hochgeladen. Dort war der Clip dann für jeden sichtbar. Unangenehm muss es für die Schuldner sein, wenn Freunde und Familie den Clip zufällig gesehen.

"Und dann sieht man die Bilder mit den Leuten, mit ihren Sozialversicherungsnummern, mit ihren Namen. Diese Leute schulden irgendjemandem Geld, sind verurteilt, haben es aber nicht zurückbezahlt."
Benjamin Eyssel, Korrespondent in Peking

Dieser digitale Pranger habe offenbar Wirkung gezeigt, sagt unser Korrespondent in Peking.

Schuldner sollen sich daraufhin bei dem Gericht gemeldet haben, um das Geld an ihre Gläubiger zurückzuzahlen. Beschämend war wohl für viele, dass ihr Umfeld mitbekommen hat, dass sie Schulden haben. Viele bekamen Nachrichten von anderen, auf den Vorfall angesprochen haben.

"Das Gericht hat sich auf der Mini-Musik-App einen Account angelegt und hat da dieses Video mit der Musik eingespielt."
Benjamin Eyssel, Korrespondent in Peking

Naming und shaming ist in China eine gängige Praxis, die beispielsweise auch genutzt wird, um Verkehrssünder bloß zu stellen. An manchen Kreuzungen, an denen die Fußgänger besonders oft bei Rot auf die andere Straßenseite gehen, haben die Behörden Videotafeln aufgestellt. Die Software erkennt den Verkehrssünder und blendet den Namen und weitere persönliche Daten ein.

"Die Behörden haben sich gedacht: Das stoppt den Verkehr. Wegen dieser einen Kreuzung ist in der Innenstadt immer Chaos und haben dann große Videotafeln dort aufgestellt."
Benjamin Eyssel, Korrespondent in Peking

An einigen Kreuzungen, an denen die Behörden auf dieses Kontrollverfahren setzen, sollen der Verkehr wieder besser laufen. Auch an manchen Bahnhöfen gibt es große Videobildschirme, auf denen beispielsweise Schulder, bloßgestellt werden. Beide Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Kontrollsystems, das China bis 2020 vollständig aufbauen möchte.

Das Prinzip funktioniert und wird von der Mehrheit auch nicht kritisiert, weil in China Datenschutz und Privatsphäre kein großes Ding seien, sagt unser Korrespondent Benjamin Eyssel.

Seine chinesischen Freunde hätten gesagt, er solle sich vorstellen, jemand würde ihm Geld schulden, sei verurteilt und zahle es nicht zurück. Dann tauche der in dieser App auf und zahlt es daraufhin zurück. Da würde er sich doch auch freuen.

"Das ist kein Einzelfall, das gibt es immer wieder in China."
Benjamin Eyssel, Korrespondent in Peking

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