Nach Skandalen in der Bundeswehr wird über ein Comeback der Wehrpflicht diskutiert. Ob die dabei helfen kann, dass sich rechtsextremistische Vorfälle in der Bundeswehr nicht wiederholen, da ist Nariman Hammouti skeptisch. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Vereins "Deutscher.Soldat.". Aber sie hat andere Vorschläge.

2011 kam das Ende für die allgemeine Wehrpflicht. Nun wurde sie wieder aus dem Hut gezaubert und wird kontrovers debattiert. Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl zum Beispiel hatte sich für eine Rückkehr zur Wehrpflicht ausgesprochen – auch als Mittel gegen Rechtsextremismus in der Bundeswehr.

Dass eine Wehrpflicht Rechtsextremismus in der Truppe verhindern könnte, das glaubt Nariman Hammouti nicht. Sie ist Soldatin und Vorstandsvorsitzende des Vereins Deutscher.Soldat. "Meiner Meinung nach würde das nicht helfen." Sie zum Beispiel sei freiwillig als Soldatin bei der Bundeswehr und eben nicht rechtsradikal.

Sicherheitsüberprüfung für alle – auch rückwirkend

Aber Nariman Hammouti sieht andere Möglichkeiten, um dem Problem von Rechtsextremismus in der Bundeswehr entgegenzuwirken. Seit Juli 2017 muss jeder Soldat, jede Soldatin vor der Einstellung einen Sicherheitscheck durchlaufen. Diese "Einfache Sicherheitsüberprüfung" wird durch den Militärischen Abschirmdienst durchgeführt. Das Problem: Die Überprüfung gilt nur für Neueinstellungen, so Nariman Hammouti. "Man müsste das jetzt nachziehen für alle, die vorher noch keine Sicherheitsüberprüfung hatten."

Außerdem ist sie dafür, dass Entlassungsverfahren vereinfacht werden. Soldaten sollten, wenn nötig, schneller entlassen werden können.

Staatsdiener in Uniform haben eine besondere Rolle

Die Bundeswehr spiegele im Großen und Ganzen die Gesellschaft wider. Ein Pauschalurteil über Soldaten und Soldatinnen lehnt Nariman Hammouti ab. Doch wenn Rechtsextreme in der Bundeswehr seien, sei das schwerwiegender. "Die haben innerhalb der Truppe nichts verloren. Denn Staatsdiener in Uniform zu sein, hat eine besondere Bedeutung", sagt Nariman Hammouti.

"Wir sind in großen Teilen ein Spiegelbild der Gesellschaft."

Zuletzt hatte die Bundeswehr versucht, die öffentliche Akzeptanz für die Bundeswehr zu erhöhen. Dazu gehörte zum Beispiel das Angebot, dass Soldaten und Soldatinnen kostenfrei die Deutsche Bahn nutzen konnten. So sollte mehr Präsenz geschaffen werden. Denn Soldaten und Soldatinnen sind im Alltag kaum sichtbar.

Doch Skandale wie beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr machten solche Versuche wieder zunichte (mehr zu dem Skandal findet ihr hier). Da müsse man sich dann fragen, ob man in Uniform überhaupt Bahn fahren möchte, so Nariman Hammouti.

"Dann kommen wieder Skandale hoch, wie zum Beispiel beim Kommando Spezialkräfte – und wir uns alle fremdschämen."

Die Bundeswehr versucht, auch durch Social Media-Kampagnen den Beruf Soldat/Soldatin zu bewerben. Zum Beispiel wird auf Instagram auch das Engagement während der Corona-Pandemie gezeigt:

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Einiges findet sich auch auf Instagram unter #socialmediadivision oder #wirdienendeutschland.

Und Nariman Hammouti empfiehlt außerdem, das Gespräch mit Soldaten und Soldatinnen zu suchen. "Wenn ich mit Uniform unterwegs bin, fühle ich mich immer wie ein Ufo." Sie werde häufig angestarrt: Ob das interessiert oder ablehnend gemeint ist, sei schwierig einzuschätzen. Die einzige Lösung: miteinander reden.