Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr hat ein Problem mit Rechtsextremisten in den eigenen Reihen. Deshalb soll sich das KSK reformieren und bekommt dafür eine Schonfrist von rund sechs Monaten. Der Journalist Martin Kaul hatte Recherchen zu Rechtsextremismus in der Bundeswehr mit angestoßen: Denn die Vorwürfe sind nicht neu.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat angekündigt, eine von vier Kompanien des KSK aufzulösen. Der Rest der Eliteeinheit soll sich reformieren – und zwar von innen heraus.

Das Problem Rechtsextremismus war länger bekannt

Für die Reformen hat das KSK rund sechs Monate Zeit, so Martin Kaul vom WDR Investigativteam. Eine der "Problemkompanien" werde eben aufgelöst. Laut Medienberichten gehören ihr rund 70 Soldaten an. "Die Leute bekommen ihre Dienstposten aberkannt", sagt der Journalist. Sie müssen sich neu bewerben und können innerhalb der Bundeswehr verteilt werden. Das KSK müsse nun zeigen, ob es sich reformieren will.

"Es gibt jetzt eine Art Schonfrist für das KSK, um zu zeigen, dass sie in der Lage sind, sich von den ganz problematischen Jungs zu trennen."
Martin Kaul, WDR Investigativteam

Die Vorwürfe gegen das KSK sind nicht neu. 2017 gab es eine Party, auf der laut Zeugenaussagen der Hitlergruß gezeigt wurde. Außerdem sollen Gäste mit echten Schweinsköpfen geworfen haben. Mit dabei waren Soldaten der "Problemkompanie".

Im Mai 2020 wurden auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten ein Versteck mit jeder Menge Munition und Sprengstoff ausgehoben. Auch er gehört zu Kompanie, die jetzt aufgelöst wird.

"Es ist gut, das jetzt etwas passiert. Das ist auch ein richtiges Signal."
Martin Kaul, WDR Investigativteam

Man wolle auch versuchen, diese sehr abgeschottete Einheit innerhalb der Bundeswehr von außen sehr viel stärker zu kontrollieren, so Martin Kaul. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Ausbildung der Soldaten des KSK neu organisiert wird. Das soll nicht mehr im Alleingang des KSK passieren, sondern von der Bundeswehr insgesamt mitgetragen und auch kontrolliert werden.

Scheitern die Reformen, droht die Auflösung

Jetzt müsse sich zeigen, ob diese "überfälligen Reformen" angenommen und umgesetzt werden, so Martin Kaul. Scheitert der Reformprozess, droht unter Umständen die Auflösung des KSK oder der komplette Umbau.

Das KSK ist aber nicht die einzige Eliteeinheit der Bundeswehr. Es gibt zum Beispiel auch Kampfschwimmer. Über die sei wenig bekannt, so Martin Kaul. Über rechtsextreme Tendenzen sei nichts bekannt, aber es gäbe dazu auch kaum Recherchen. Hier sei der Militärische Abschirmdienst gefragt.

Die überwiegende Mehrheit der Bundeswehr sei nicht rechtsextrem, so Martin Kaul. Aber es zeige sich, dass Anghörige der Bundeswehr anfällig seien für nationales Gedankengut sowie sehr autoritäres Einstellungen. Das wurde durch Studien belegt. Deshalb sei es eben wichtig, immer wieder genau hinzuschauen und zu kontrollieren, so Martin Kaul.