Über das Horn der Narwale gibt es zahlreiche Sagen und Mythen. Es kann bis zu drei Meter lang werden und taucht nur ab und zu an der Wasseroberfläche auf. Immer wieder wird über seinen Zweck diskutiert, jetzt hat ein Forscherteam eine neue Theorie aufgestellt.

Der gewundene Zahn, der aus der Oberlippe der männlichen Narwale wächst, sorgt schon seit vielen Jahrhunderten für Spekulationen. Bis heute stehen verschiedene Theorien über den Zweck des Horns im Raum: Eisbrecher, Orientierungsmittel, Verteidigungshilfe?

Jetzt sind Forschende der Arizona State University zu dem Ergebnis gekommen, dass es bei dem Horn darum gehen könnte, die weiblichen Narwale zu beeindrucken. Für die Männchen würde das bedeuten: Je länger, desto besser.

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Mit dem Horn imponieren

Es geht also ums Imponieren: Wer das längere Horn hat, bekommt das Weibchen. Deshalb setzen die Forschenden das Horn der Narwalmännchen auch mit dem Geweih von Hirschen oder dem Federkleid eines Pfaus gleich, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobias Jobke. Entstanden ist das Horn folglich aufgrund von sexueller Selektion. Die Größe des Horns wird dann an die nachfolgenden Generationen vererbt.

Schwanzflosse als Vergleichgöße

Um ihre Theorie zu stützen, haben sich die Forschenden auch die Schwanzflosse der männlichen Narwale angesehen. Denn frühere Studien haben schon gezeigt, dass es bei sexueller Selektion oft so ist, dass das Objekt der Begierde in unterschiedlichen Größen vorkommt, damit die Weibchen die Wahl haben. Bei 200 ausgewachsenen Narwalen wurden deshalb die Größen der Schwanzflosse mit der des Horns vergleichen.

"Frühere Studien haben gezeigt, dass es bei sexueller Selektion oft so ist, dass das Merkmal, auf das Frauen stehen, in unterschiedlicher Größe vorkommt, sodass die Frauen die Wahl haben."
Tobias Jobke, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Heraus kam: Die Schwanzflosse hatte bei allen Narwalen eine ähnliche Größe, das Horn dagegen variierte stark zwischen einem halben Meter und zweieinhalb Metern. Dazu passt auch eine weitere Beobachtung des Forschungsteams. Sie sahen nämlich männliche Narwale mit ihren Hörnern so kämpfen, als ginge es auch hier darum, eine Rangordnung auszufechten.

Theorie noch nicht ganz bestätigt

Ganz sicher können die Forschenden ihre Theorie nicht bestätigen. Sie hätten beispielsweise noch kein Weibchen beobachtet, wie es ein Männchen mit längerem Horn bevorzugt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobias Jobke. Auch schließt das Team nicht aus, dass das Horn noch weitere Funktionen erfüllt, wie beispielsweise die Nahrungssuche auf dem Meeresgrund.

Sagenumwobenes Horn

Das Horn der Narwale zieht seit vielen Jahrhunderten eine große Menge an Sagen und Mythen an. Beispielsweise wurde das Horn im Mittelalter oft nach Europa importiert und dort als Beweis dafür, dass es Einhörner wirklich gebe, teuer verkauft. Dass das Horn von einem Wal aus der Antarktis stammt, konnten die Europäer damals natürlich noch nicht wissen.

"Man hat damals gedacht, dieses gewundene Horn kann nur von einem Fabelwesen stammen und es wurde als Beweis für die Existenz des Einhorns gesehen."
Tobias Jobke, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Mediziner setzen das Horn als Antigift gegen die Pest ein, geistliche und weltliche Herrscher nahmen das Horn als Statussymbol an sich und auf dem Markt wurde es sogar gegen Gold aufgewogen.

Erst als im 17. Jahrhundert europäische Walfänger die Herkunft des Horns klären konnten, verlor es nach und nach seinen Reiz und Wert. Die Sage des Einhorns hat sich trotzdem bis heute erfolgreich gehalten.