Eigentlich hat der Islamische Staat Musik verboten. Da ist es erstaunlich, dass es gerade die Musik ist, die das Anwerben junger Mitglieder unterstützt.

Sogenannte Naschids sollen Geschichten erzählen, Gemeinschaftsgefühl erzeugen und Identifikation mit der eigenen Bewegung schaffen. Islamwissenschaftler Behnam Said vom Hamburger Verfassungsschutz sagt: "Die Lieder sind ein wesentlichen Faktor für den Erfolg der Rekrutierung." Es gibt sogar Parallelen zu Studentenbewegungen der 60er-Jahre. Studien zeigen, dass auch dort die Lieder eine wichtige Rolle in der Etablierung der sozialen Bewegung einnehmen.

Die Naschids sind erst in den 70er-Jahren populär geworden, heute gibt es sie immer noch bzw. wieder.

"Die Jugend wird emotional abgeholt"
Behnam Said

Dschihadismus und Salafismus bieten vor allem Jugendlichen die Möglichkeiten, das Leben unter anderen Vorzeichen neu zu beginnen. Sie können ihre Identität neu kreieren, Lebenswege neu einschlagen. Einige Denker der Bewegung lesen dazu Schriften, "doch der große Teil kommt dazu, weil sie emotional abgeholt werden", sagt Behnam Said - zum Beispiel durch Videos, aber eben auch durch Lieder.

"Konkurrenzsituation um die Jugend"

Die meisten Naschids verzichten auf Instrumente. Manchmal wird aber getrickst, etwa indem das Marschieren von Soldaten, Ziehen von Schwertern oder Trampeln von Pferden als Rhythmus gebende Elemente eingesetzt werden.

Durch das Angebot der Dschihadisten und Salafisten entstehe eine "Konkurrenzsituation um die Jugend", sagt Said. Deshalb müsse unsere Gesellschaft selbst wieder eine große Erzählung anbieten, etwas Attraktives und Identität Stiftendes.