Unsere Nasen sind ziemlich gute Alarmanlagen. Oft können wir erschnuppern, ob Lebensmittel noch gut oder schon verdorben sind.

Manchmal sind wir unsicher: Der Schinken im Kühlschrank ist schon über der Mindesthaltbarkeit. Und die Frischmilch ist auch schon seit drei Tagen offen. Lieber ab damit in die Tonne? Nein, meint unsere Reporterin Verena von Keitz. Denn eigentlich können wir uns sehr gut auf unsere Nase verlassen.

"Ich kenne wirklich sehr viele, die sich nicht rantrauen an Lebensmittel und sie dann lieber wegschmeißen, als da mal die Nase dran zu halten."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Statt Lebensmittel einfach wegzuwerfen, könnten wir versuchen, unseren Geruchssinn zu trainieren. Und das funktioniert wirklich, sagt die Neurowissenschaftlerin Kathrin Ohla.

Zwar haben manche Menschen mehr Rezeptoren in der Nase als andere und können somit einfach aus genetischen Gründen ein bisschen besser riechen. Wenn wir aber immer wieder Dinge bewusst und mit Aufmerksamkeit riechen, kann uns das helfen, Gerüche besser zu unterscheiden.

Den Milchtest machen

Kathrin Ohla hat dazu auch gleich eine Idee: Jetzt im Sommer könnten wir testweise eine Milch offen stehen lassen und mal schauen, wie der Geruch sich verändert - und so lernen, wie eine frische Milch im Vergleich zu saurer Milch riecht.

"Vielleicht könnte man, wenn man das zuhause für sich üben will, tatsächlich die Milch mal ein paar Tage draußen stehen lassen."
Kathrin Ohla, Neurowissenschaftlerin am Forschungszentrum Jülich

Unsere Nase hilft uns auch deshalb so gut in solchen Dingen, weil unser Geruchssinn direkt mit der Amygdala verbunden ist, also dem Teil im Gehirn, der Gefühle verarbeitet.

Schlecht ist was schlecht riecht

Wenn Fleisch oder Gemüse vergammelt, dann riecht das in der Regel fies, weil da "irgendwelche Mikroorganismen dran rumgestoffwechselt haben", wie unsere Reporterin sagt. Gammelfleisch, Gammelschinken, Gammellauch - das erkennt unsere Nase sofort.

Aber Achtung: Es gibt verdorbene Lebensmittel, die wir nicht erschnüffeln können. Das ist der Fall, wenn Essen mit Krankheitserregern kontaminiert ist. Wenn also Eier mit Salmonellen belastet sind, riechen wir das nicht. Noroviren im Salat ebensowenig.

Die Nase macht keinen Unterschied

Mit einem gängigen Vorurteil räumen wir in diesem Zusammenhang auch gleich noch auf: Frauen und Männer sind völlig gleichberechtigt, wenn es um den Geruchssinn geht. Es stimmt also nicht, dass Frauen besser riechen. Sie sind aber besser darin, Gerüche in Worte zu fassen - sagt jedenfalls die Geruchsforscherin.

"Wir haben rausgefunden, dass Frauen nicht sensitiver sind, sondern eher eine bessere verbale Fähigkeit haben, um Düfte zu beschreiben oder sie zu unterscheiden."
Kathrin Ohla, Neurowissenschaftlerin am Forschungszentrum Jülich

Mehr zum Thema: