Nach ihm kamen viele, die Kultstatus erlangten: Konrad Adenauer, Willy Brandt, Angela Merkel. Oder in der Popszene die Beatles, die Stones, Abba, die Toten Hosen. Doch den Kult, der um Otto von Bismarck betrieben wurde, hatte es in deutschen Landen bis zu seinen Lebzeiten - und auch noch lange nach seiner Entlassung - nicht gegeben.

Otto von Bismarck war ein Star seiner Zeit. Als preußischer Ministerpräsident und Außenminister, als Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, als Reichskanzler: Viele Jahre lang, von 1862 bis 1890, dominierte er die Politik und wurde allseits umjubelt - fiel dann jedoch tief.

Um den "Mythos Bismarck" dreht sich der Hörsaal – 200 Jahre nach seinem Geburtstag wird 2015 das Bismarck-Jahr begangen. Nicht nur dadurch, zumindest im Schulunterricht haben wir alle von ihm gehört. Zum Beispiel, dass, wer heutzutage angestellt arbeitet, durch das geschützt ist, was Bismarck damals eingeführt hat: die Sozialversicherung. Unfallschutz, Rente, ja sogar die Kranken- und Pflegeversicherung haben die Wurzeln im "Eisernen Kanzler", wie wir ihn bis heute nennen. Der Staat als Wohlfahrtseinrichtung - Bismarck wollte, dass die Arbeiter die Regierung als wohlwollend, als fürsorglich wahrnehmen.

"Wenn wir also vom Bismarck-Bild sprechen, müssen wir uns bewusst halten, dass es das eine Bild nicht gibt, sondern mehrere Bismarck-Bilder, die nebeneinander koexistieren oder miteinander konkurrieren."
Dr. Volker Ullrich, Publizist

​Was hat er uns noch zu sagen, der "Mythos Bismarck"?

Unter diesem Titel steht der erste lange Vortrag des Historikers und Publizisten Volker Ullrich. Er sprach auf der Tagung "200 Jahre Otto von Bismarck", die vom 20. bis 21. Februar 2015 von der Evangelischen Akademie im Rheinland in Bonn veranstaltet wurde. Und er schildert einen ambivalent wahrgenommenen Kultstar: mal in allerhöchsten Tönen gepriesen, mal in die Wüste geschickt.

"Mit seiner 'Blut- und Eisenrede' führt sich Bismarck als Konflikt-Minister ein. Bismarck ist für deutsche Liberale der meistgehasste Politiker."
​Heide Barmeyer-Hartlieb, Historikerin

Die Professorin Heide Barmeyer-Hartlieb spricht in zwei Vorträgen außerdem über die Themen "Vom preußischen Ministerpräsidenten zum deutschen Reichskanzler" und über "Die konservative Wende 1878-79".