Nationalhymnen sollen der Identifikation helfen. Die Deutschen fanden erst vor etwas mehr als 90 Jahren mit dem Deutschlandlied ihre Hymne - und haben sich gerade wegen dieser immer wieder mit alternativen Hymnen abfinden müssen. Dabei waren sie aber sehr kreativ, findet Stefan Fries.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verboten die Alliierten das "Deutschland, Deutschland über alles"-Lied. Und zwar nachdem die Nationalsozialisten ihren Gebietsanspruch "von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt" nicht nur besungen, sondern auch umsetzen wollten.

"Wenn die Nationalhymne angestimmt wird, dann vergewissert man sich erstmal über diese Musik gewisser nationaler Werte. Dass man dieses Wir-Gefühl aufbaut, dass man sich in dieser Musik zusammenfindet."

Den Deutschen war also ihre Hymne abhanden gekommen. Ein Problem zum Beispiel für Sportveranstaltungen wie dem internationalen Radrennen im Jahr 1949 in Köln. Was sollte man für den deutschen Sieger spielen? Klar in Köln wählte man etwas flottes und unpathetisches und zwar "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien".

Die dritte Strophe wird zum Hymnentext

1950 wünschte sich dann Bundespräsident Theodor Heuss etwas Sakrales. Doch seine Hymne an Deutschland wollten die Deutschen nicht. Bundeskanzler Konrad Adenauer brach nach sieben Jahren Verbot dann den Widerstand der Alliierten gegen das Deutschlandlied.

Doch dann trat schon wieder das nächste Problem auf - die deutsche Teilung. Erst 1991 bekamen die Deutschen - und zwar alle - ihre Hymne zurück. Das DDR-Thema "Auferstanden aus Ruinen" wurde eingemottet und die dritte Strophe des Deutschlandliedes endgültig zur Nationalhymne.