Die Kanadier wollen ihre Nationalhymne gendergerecht anpassen. Dann heißt es nicht mehr "Erwecke wahre Vaterlandsliebe in all deinen Söhnen", sondern "Erwecke wahre Vaterlandsliebe in uns allen". Kanadierinnen dürfen sich also auch angesprochen fühlen. Eine gute Idee, finden wir.

Gestern hat das kanadische Unterhaus die Neufassung der Hymne beschlossen, jetzt muss nur noch der Senat zustimmen. Angestoßen hat die Änderung der liberale Abgeordnete Mauril Belanger. Er hat seit Kurzem die Nervenkrankheit ALS. Darum sitzt er im Rollstuhl und kann nicht mehr reden. Seinen Vorschlag stellte er im Parlament deshalb auch mithilfe seines iPads vor. In seinem Statement sagte er, dass er "mit dem Gesetz allen Frauen Tribut zollen will, die dafür gekämpft haben, dass Kanada so ist, wie wir es heute kennen."

Österreich: aus "Brüderchören" werden "Jubelchöre"

Kanada ist nicht das erste Land mit so einer Initiative. Unsere direkten Nachbarn, die Österreicher, haben schon 2011 ihre Nationalhymne geschlechterneutral formuliert. Aus der Zeile: "Heimat bist du, großer Söhne" wurde "Heimat großer Töchter und Söhne". Und aus "Einig laß in Brüderchören, Vaterland dir Treue schwören" wurde "Einig lass in Jubelchören". Im Zuge dieser Änderung haben die Österreicher übrigens auch ihre Gesetzestexte geändert - und darin Rassismen getilgt. Darüber haben wir auch schon in der Redaktionskonferenz gesprochen.

Ukraine: "Herren im eigenen Land"

Längst nicht alle Länder sind soweit wie Österreich oder Kanada. DRadio-Wissen-Autorin Verena von Keitz hat sich mal die Hymnen der Länder angeschaut, die an der Fußball-EM teilnehmen. Da ist ihr besonders die Hymne der Waliser aufgefallen. Darin gibt es einfach mal keine Frauen: "Das alte Land meiner Väter ist mir teuer. Land der Barden und Sänger, berühmter Männer." Und in der ukrainischen Hymne heißt es: "...auch wir, Brüder, werden Herren im eigenen Land sein."

God save the Queen - the Queen!! Wen sonst?

Verena von Keitz hat aber zum Glück auch noch eine Hymne gefunden, die - ausnahmsweise - Männer diskriminiert: die britische. Darin heißt es: "God save the Queen" - kein Mann weit und breit. Das liegt aber nur daran, dass das Staatsoberhaupt der Briten zurzeit weiblich ist. Gäbe es einen König, hieße die Hymne "God save the King".

Die deutsche Nationalhymne hält Verena für relativ genderneutral. Es kommt zwar das Wort "Vaterland" drin vor. "Aber das würde ich persönlich jetzt nicht als diskriminierend empfinden", sagt Verena.