Auschwitz ist das Symbol für den Massenmord an den Juden. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das größte Konzentrationslager von den Nazis. An diesem Tag wird alljährlich der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Vor 15 Jahren haben die Vereinten Nationen das Ende von Auschwitz zum Internationalen Tag des Gedenkens erhoben. Ein Vortrag von Imke Hansen.

Nach der Befreiung sollte dort, wo die Deutschen mehr als eine Million Juden ermordet haben, ein Schweinemastbetrieb entstehen. Über solche und andere Pläne berichtet die Historikerin Imke Hansen, die uns einen Einblick in die Nachkriegsgeschichte des Lagers gibt.

"Scheinbar kann man nirgendwo tiefer in die Abgründe der menschlichen Geschichte schauen und dieser unvorstellbaren Gewalt näher sein als in Auschwitz-Birkenau."
Imke Hansen, Historikerin

Im April 1940 hat die SS das Konzentrationslager in Auschwitz bauen lassen, weil es zu wenige Gefängnisse für die polnischen Häftlinge gab; die Vernichtung von Juden war zunächst nicht geplant. Ab 1942 sind dann Juden aus ganz Europa nach Auschwitz deportiert worden.

Aufarbeitung zunächst aus polnischer Sicht

In den ersten Jahren nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau hat eine Aufarbeitung ausschließlich aus polnischer Sicht stattgefunden. Ehemalige polnische Häftlinge haben die ersten Besucher-Führungen gemacht und aus ihrem Lageralltag berichtet. Im kollektiven Gedächtnis sind die Juden nicht berücksichtigt worden. Selbst die jüdische Gemeinschaft ist an der unmittelbaren Nachkriegsgestaltung von Auschwitz nicht beteiligt worden.

Dauerhafte Gedenkausstellung seit 2013

Das hat sich erst mit den 1980er Jahren geändert und vor allem ab 2013. Seitdem gibt es dort eine dauerhafte Gedenkausstellung für die ermordeten Juden. Heute steht Auschwitz auf Platz 1 des sogenannten "Dark Tourism", mit dem sich Imke Hansen in ihrem Vortrag kritisch auseinandersetzt.

Laut Imke Hansen reisen heutzutage die unterschiedlichsten Gruppen mit den unterschiedlichsten Erwartungen nach Auschwitz, um dann im ehemaligen Lager ihre vorgefertigten Meinungen im Kollektiv bestätigt zu bekommen.

"Das Besuchen von Auschwitz war schon immer eine Form von Saisontourismus."
Imke Hansen, Historikerin

Und Vorsicht ist nach ihrer festen Überzeugung auch geboten, wenn der Anspruch erhoben wird, dass man Auschwitz gesehen haben muss, um gegen rechtes Gedankengut sensibilisiert zu sein.

Die Politikwissenschaftlerin und Historikerin Imke Hansen war bis 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nord-Ost-Institut Lüneburg, das zur Universität Hamburg gehört. Sie ist Dozentin für Geschichte an der Uppsala University in Schweden. Promoviert hat sie mit ihrer Arbeit "Nie wieder Auschwitz – Die Entstehung eines Symbols und der Alltag einer Gedenkstätte". Hansen hat selbst im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau geforscht und die Geschichte dieses größten aller deutschen Vernichtungslager aufgearbeitet. Ihre Forschungsergebnisse hat sie am 23. Januar 2019 in der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn präsentiert. Ihr Thema: "Der Ort des Bösen – Wie Auschwitz zum Inbegriff des Holocaust wurde".