13 Menschen sterben sofort, 200 Wiesn-Besucher werden verletzt - 68 von ihnen schwer: Mit den Folgen des rechtsextrem motivierten Bombenanschlags auf das Oktoberfest im September 1980 haben manche der Überlebenden bis heute zu kämpfen.

Es ist ein schöner Spätsommertag in München. Tausende strömen auf das Münchner Oktoberfest, das wie jedes Jahr mit Bierzelten und Kirmesattraktionen lockt. Auch die Familie Platzer ist an diesem 26. September 1980 unterwegs: die Eltern mit ihren fünf Kindern.

Aber sie werden an diesem Tag jäh aus ihrem Familienidyll herausgerissen. Sie sind gerade auf dem Heimweg, als um 22:19 Uhr nahe dem nördlichen Ausgang eine Bombe detoniert.

"Die Bedrohung durch den Rechtsterrorismus – ohne Panik schüren zu wollen – wird immer noch sehr stark unterschätzt, weil das strukturelle Problem und die Netzwerke nicht offengelegt werden."
Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke

Dreizehn Menschen sterben sofort, darunter auch zwei der fünf Platzer-Kinder. Über 200 Wiesn-Besucher werden verletzt, 68 davon schwer. Der Täter ist schnell gefunden: Gundolf Köhler hat den Anschlag nicht überlebt, war früher in einer rechtsextremen Wehrsportgruppe aktiv und wird durch seinen Personalausweis identifiziert, der sich in den Trümmern findet.

Zweifel daran, dass Gudolf Köhler ein Einzeltäter gewesen sein soll

Zwei Tage nach dem Anschlag ergeben die Nachforschungen des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann: Gundolf Köhler war ein Einzeltäter, der aus persönlichen Motiven, vor allem wegen privater Beziehungsprobleme und seiner misslungenen Ausbildung, die Tat begangen habe. Aber es gibt sofort Zweifel an der Behauptung, dass der Sprengstoffanschlag von einer einzigen Person vorbereitet und ausgeführt werden konnte. Unmittelbar nach der Tat wurden noch zwei weitere Ermittlungen durchgeführt, die beide zum gleichen Ergebnis kamen: Gundolf Köhler habe als Einzeltäter gehandelt.

Hinweise auf Hintermänner können nicht erhärtet werden

Es gab immer wieder Hinweise auf Hintermänner und Organisationen, die einen solchen Anschlag vorbereitet haben könnten. Aber alle weiteren Ermittlungen liefen ins Leere, sodass Generalbundesanwalt Peter Frank am 7. Juli 2020 die wieder aufgenommenen Ermittlungen eingestellt hat. Im Gegensatz zu den ersten Ermittlungen stellt er allerdings fest, dass Gundolf Köhler nicht etwa aus persönlicher Frustration gehandelt habe.

Gundolf Köhler – so der Generalbundesanwalt – habe aus "rechtsextremistischer Motivation heraus gehandelt", wollte die "Bundestagswahl 1980 beeinflussen und strebte einen Führerstaat nach Vorbild des Nationalsozialismus" an.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Journalist und Bauchautor Ulrich Chaussy trägt Argumente zusammen, die gegen die Einzeltäter-These sprechen.
  • Klaus Pflieger war einer der ermittelnden Staatsanwälte beim Bundesgerichtshof nach dem Anschlag auf das Oktoberfest und bezeugt, dass damals allen Spuren sorgfältig nachgegangen worden ist.
  • Die Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke erläutert, wie groß die Gefahr durch Terrorismus von rechts inzwischen geworden ist.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt zurück auf eine Vielzahl von rechtsextremen Gruppen, die in der Bundesrepublik auch schon vor 1980 für Aufsehen gesorgt haben.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner erinnert an den Anschlag am 26. September 1980 und die verheerenden Folgen.