Wenn Straßen neu oder ausgebaut werden, muss die Natur weichen, zum Beispiel Ameisenhügel. Christina Grätz ist Biologin und siedelt Millionen Waldameisen um.

Das aktuelle Projekt von Christina Grätz ist der Wald, der in Berlin entlang der A10 verläuft. Die Autobahn wird nämlich ausgebaut, ebenso die dazugehörigen Park- und Rastplätze. In dem Wald leben Millionen Ameisen. Die werden aber nicht nicht einfach ihrem Schicksal und den anrückenden Baggern überlassen, sondern Christina Grätz siedelt sie um. 

"Wir setzen hier gerade eine sehr seltene Ameisenart um: die Kerbameise."
Christina Grätz, Biologin

Die Kerbameise lebt eher am Waldrand auf kleinen Wiesen. Aber genauso wie die Waldameise gehört sie zu den geschützten Arten. Und bei geschützten Arten ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass sie umgesiedelt werden müssen, wenn ihr Lebensraum zerstört wird. Genau das ist der Job von Christina Grätz.

Nester bis zu zwei Meter unter der Erde

Die kuppelartigen Nester der Ameisen sind riesig. Das, was wir davon oberirdisch sehen können, beschreibt die Biologin als "die Spitze des Eisbergs". Manchmal verlaufen die Gänge der Bauten bis zu zwei Meter unter der Erde. Dort unten im Nest befinden sich die Königinnen, Puppen, Eier und Larven. Manchmal braucht Christina Grätz einen Tag, um ein einziges Nest zu versetzen. 

"Die krabbeln natürlich überall rein. Wir sind definitiv zerstochen."
Christina Grätz siedelt Ameisen um

Die Ameisenhaufen werden dann Schicht für Schicht abgetragen, in Papiertüten verfrachtet. Mit einem Anhänger transportieren die Biologen die Tiere dann zu ihrem neuen Wohnort ganz in der Nähe. Dort werden die Nester dann wieder angelegt. Schicht für Schicht und dazwischen Reisig - so helfen Christina Grätz und ihre Kollegen den Ameisen dabei, einen neuen Hügel einzurichten. Vergangene Woche haben sie einen so großen Ameisenbau umgesiedelt, dass dabei am Ende hundert Säcke gefüllt waren. 

"Wir sind tierisch begeistert von den Tieren!"
Christina Grätz siedelt Ameisen um