Ungesunde Bakterien durch gute Milchsäurebakterien verdrängen: Möglich ist das durch fermentierte Lebensmittel wie Gemüse, Pflanzen und Kräuter. Unseren Darm machen sie dadurch gesünder. Kosmetikprodukte versprechen jetzt einen ähnlichen Effekt für unsere Haut.

Fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut oder Kimchi ist gesund – besonders die Darmflora profitiert von den Milchsäurebakterien. Denn: Diese "guten" Bakterien verdrängen andere, ungesunde Bakterien, die uns anfälliger für Krankheiten machen. Zusätzlich entsteht durch Fermentation ein Lebensmittel, das viele Antioxidantien, Enzyme und Vitamine enthält. Durch das Essen von fermentiertem Gemüse sanieren wir also unseren Darm und stärken das Immunsystem.

Seit einiger Zeit gibt es daher die Idee, fermentiertes Gemüse und Pflanzen auch für Kosmetik- und Schönheitsprodukte zu verwenden – zum Beispiel als Inhaltsstoff von Hautcremes oder Shampoos. Mithilfe von fermentierten Kürbis, Algen, grünem Tee oder Chili sollen dann die gesunden Bakterien auf der Haut gestärkt und geschützt werden. Zudem sollen vergorene Gemüsesorten für eine straffere Haut sorgen.

"Es ist eine Hoffnung von mir, dass in Zukunft viele Hauterkrankungen nicht mehr mit Antibiotika und Co behandelt werden, sondern dass man böse Bakterien mit guten Bakterien verdrängt."
Yael Adler, Dermatologin

Auch Hautärztin Yael Adler experimentiert mit dem Effekt von fermentierten Pflanzen auf unsere Gesundheit, sie glaubt aber nicht an die Wirkung von fermentierten Lebensmitteln in Cremes und Co – zumindest, was die aktuellen Kosmetikprodukte betrifft.

Denn: Bakterien seien sensibel, erklärt die Hautärztin. Werden sie in eine Creme oder Ähnliches gemischt, könnten sie nicht überleben und sich im Anschluss auch nicht auf der Haut ansiedeln. Selbst wenn die Bakterien lebend auf die Haut aufgetragen werden, also in Form von Fermenten, sei nicht klar, ob sich die Bakterien auf der Haut auch wirklich ansiedeln.

"Bakterien sind sensibel. Wenn sie in eine Bodylotion gemischt werden, können sie nicht überleben."
Yael Adler, Dermatologin

Das bedeutet: Die Idee der Darmsanierung könne nicht eins zu eins auf die Haut übertragen werden. Bis jetzt ist der Effekt einer gesünderen Haut noch nicht belegt.

Aber: Forschungen gebe es dazu schon. Auch Yael Adler hofft, dass in Zukunft eine Behandlung von Hauterkrankungen mithilfe guter Bakterien möglich sei, statt wie bisher auf Antibiotika, Cortison oder Desinfektionsmittel zu setzen.

Fermentiertes Gemüse: Lieber essen, statt auf die Haut schmieren

Bis dahin rät sie: Milchsäurebakterien durch die Nahrung aufnehmen – zum Beispiel durch Kefir, Kombucha oder fermentiertes Gemüse. Effektive Mikroorganismen seien eine weitere Alternative. Diese jeden Tag zu trinken, helfe zumindest nachweislich dem Darm.