Ein koreanischer TV-Sender hat ein verstorbenes Mädchen in der virtuellen Realität nachgebaut. Dann hat sich die Mutter mit ihrer VR-Tochter getroffen.

Das Mädchen Nayeon war sieben Jahre alt, als es 2016 an einer unheilbaren Krankheit gestorben ist. Vier Jahre nach ihrem Tod haben sich Nayeon und ihre Mutter Jang Ji-sung wieder getroffen: In der virtuellen Realität für die Fernseh-Dokumentation "Meeting You". Das Treffen könnt ihr hier auf Youtube sehen.

Acht Monate lang haben haben Virtual-Reality-Expertinnen und -Experten daran gearbeitet, eine digitale 3D-Nayeon zu entwickeln. Sie haben Videos und Fotos genutzt, um sie so detailgetreu und realistisch wie möglich zu gestalten. Aus Tonaufnahmen hat das VR-Team Nayeons Stimme nachgebildet, ein Kind hat ihr mit Motion-Capture-Aufnahmen ihre Bewegungen und Mimik geliehen.

"Wo warst du, Mami? Hast du an mich gedacht?"
VR-Nayeon in "Meeting You"

Für die Sendung der Fernsehstation MBC hat die Mutter dann eine VR-Brille aufgesetzt und Datenhandschuhe angezogen. So stand sie in einem virtuellen Park - und die digitale Nayeon ist in einem lila Kleid auf sie zugelaufen und hat sie begrüßt: "Wo warst du, Mami? Hast du an mich gedacht?"

Der Nayeon-Avator ist so entwickelt, dass er auf die Stimme der Mutter reagieren kann. Die Dokumentation zeigt, wie Jang Ji-sung wieder und wieder ihre virtuelle Tochter berührt. "Die Mutter hat sehr emotional reagiert", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte zusammen.

Abschied nehmen in Virtual Reality

Die Mutter spricht mit Nayeon, sie feiern Geburtstag zusammen und singen "Happy Birthday". Irgendwann in der Doku wünscht sich die Tochter, dass die Mutter nicht mehr weint, sie schenkt ihr eine digitale Blume: "Mami, du siehst doch, dass ich keine Schmerzen mehr habe." Am Ende erklärt die virtuelle Nayeon, dass sie müde sei. Sie legt sich zum Schlafen hin, die Mutter nimmt Abschied.

Die Mutter Jang Ji-sung sagt, sie habe, obwohl es sehr schmerzlich für sie war, trotzdem gerne an dem Experiment teilgenommen. Sie habe entschieden, an der Sendung teilzunehmen, um Menschen zu trösten, die ebenfalls einen lieben Menschen verloren haben.

"Ich denke, dass wir solche oder ähnliche Formate in Zukunft noch öfter sehen werden. Das ist nur ein Vorgeschmack auf die Möglichkeiten der schönen neuen VR- und Augmented-Medienwelt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der TV-Sender MBC hat das ganze Zusammentreffen von Mutter und VR-Tochter emotional inszeniert. Es gibt stimmige Klaviermusik, im Publikum sitzen der Vater und die drei Geschwister von Nayeon. Diese Inszenierung hat dem Sender auch Kritik eingebracht, sie sei geschmacklos.

"Die gruseligen Stellen in der TV Doku sind sicher die, in denen man die Mutter und ihre Aktionen und Handbewegungen ohne die VR-Einblendungen des Mädchens sieht", meint Martina Schulte, "also man sieht wie die Hände der Mutter im Prinzip in der Leere vor einem Green Screen hin und herfahren". (Das ist auch oben in den Bildern links und rechts zu sehen - die sind allerdings schon eine Montage. In Realität war die Mutter vor einem Green Screen platziert. Die virtuelle Realität wurde für das Video, das die Zuschauern sehen, eingeblendet.)

Schöne, neue VR-Welt

Martin Schulte vermutet, dass "Meeting You" nur der Anfang war: "Ich denke, dass wir solche oder ähnliche Formate in Zukunft noch öfter sehen werden. Das ist nur ein Vorgeschmack auf die Möglichkeiten der schönen neuen VR- und Augmented-Medienwelt."