Ewig nicht zur Toilette gehen, stundenlang die gleiche Pose halten. Und dabei auch noch Blut sehen - das alles müssen Hakenhalterinnen und Hakenhalter können: Sie sind die wichtigen Hände im OP.

Skalpell! Faden! Bei Operationen in Krankenhaus-Serien sehen wir eigentlich nur den Chirurgen, der hochkonzentriert schnibbelt, um ein Leben zu retten. Der Rest des OP-Teams ist als Hände sichtbar, die stundenlang Haken an der offenen Wunde halten, Fett zur Seite schieben oder ein Bein hochhalten.

Im echten Leben gehört Gloria Pagel eines dieser Handpaare, das eine einfache, aber sehr wichtige Aufgabe im OP ausführt: etwas halten. Als Ärztin im Praktikum assistiert sie bei Operationen, ein Job den viele Medizinstudierende machen. Die Einstellungsvoraussetzungen dafür sind, stundenlang in einer Pose verharren zu können und keinen Ekel vor Blut zu haben oder allem anderen, was der Körper so hergibt. Denn eine der größten Gefahren im OP ist, umzukippen.

Stillhalten, konzentrieren, stillhalten

Die goldene Regel vor großen Operationen: Nie hungrig in den OP gehen, vorher genug essen, damit der Kreislauf mitmacht. Und auch die Blase muss gut trainiert sein. Bis zu vier Stunden ohne Toilettenpause hält Gloria im OP locker durch. Und verfolgt während der ganzen Zeit, welche Schritte passieren. Manchmal fühle sich das an wie ein Art konzentrierter Mediation, sagt Gloria.

"Ich beobachte die ganze Zeit mit, was die anderen machen und warte auf den Einsatz. Man ist die ganze Zeit vom Kopf her anwesend.“
Gloria Pagel, Medizinstudentin im Praktischen Jahr

Was für andere aussieht wie "Einfach stillstehen", ist vor allem für Medizinstudierende der perfekte Nebenjob, um möglichst viele OPs zu begleiten. "Das ist ein ganz wichtiger Teil in der Ausbildung, dass man so eine Operation erstmal 20, 30 mal miterlebt und sieht, worauf der Operateur so Acht gibt. Das lernt man vor allem durch Zuschauen in der ersten Reihe", sagt ihr Oberarzt Jacob Hinrichs.

Echtes Fingerspitzengefühl und eine fast unerschütterbare Konzentration brauchen die Hakenhalter im OP. Sich einfach in Tagträumen verlieren, geht hier nicht. Hier müssen die Ansagen sitzen: Wie straff muss der Faden gezogen werden? In welchem Winkel Gliedmaßen gehalten werden? Wie werden Finger platziert?

Lebensnotwendige Selbsteinschätzung

Eine weitere notwendige Fähigkeit: seine eigenen Kräfte gut einzuschätzen. Wenn es für den Hakenhalter doch mal zu anstrengend wird, ruft die oder derjenige "abtreten", erklärt Professor Martin Walz, Chefarzt der Chirurgie am Huyssenstift. Dann übernimmt während der Pause nach Möglichkeit jemand anderes.

"Was regelmäßig vorkommt, dass jemand mal sich unwohl fühlt während einer Operation. Das hat aber nichts mit der Länge zu tun. Dann muss man Bescheid sagen, und dann tritt derjenige zur Seite, erholt sich, trinkt vielleicht einen Kaffee und kommt dann wieder."
Martin Walz, Chefarzt der Chirugie am Huyssenstift

Für Gloria wird ihr Knochenjob im OP manchmal durch noch mehr Übungsmöglichkeiten belohnt: „Das ist immer so ein Schmankerl im PJ, wenn man mit assistiert hat, dass man dann auch schon das Zunähen üben darf."