Seit Forscher regelmäßig den Intelligenzquotienten (IQ) in verschiedenen Gesellschaften messen, ist dieser kontinuierlich gestiegen. Um knapp 3 Punkte stieg der IQ alle zehn Jahre an. Diese positive Entwicklung hat erstmals der neuseeländische Psychologe James Flynn festgestellt, die nach ihm benannt wurde: der Flynn-Effekt.

Die Wissenschaftler sind sich nicht einig darüber, welche Entwicklung für den Flynn-Effekt verantwortlich ist. Vermutungen legen nahe, dass er mit dem gestiegenen Bildungsniveau, besserer Ernährung und medizinischer Versorgung sowie intellektuelleren Herausforderungen im Alltag einhergeht.

Schrumpft die biologische Basis?

Michael Woodly von der Freien Universtität Brüssel kritisiert an diesen Annahmen, dass sie die Reaktionszeit vernachlässigen. Nach seiner Auswertung von historischen Daten, reagierten beispielsweise die Engländer zu Zeiten Queen Victorias sehr viel schneller als heute. Der Psychologe sieht darin einen Beleg für die Abnahme der biologischen Basis der Intelligenz. Die steigende Trefferzahlen bei den IQ-Test begründet Michael Woodly damit, dass Kinder bereits in der Schule spezielle Fertigkeiten trainierten.

Bildungsgrenze erreicht?

Tatsächlich ist seit 1998, dem Höchststand der IQ-Werte, der IQ-Wert im Schnitt um 2 Punkte gefallen. Diese Entwicklung nennen die Wissenschaftler den negativen Flynn-Effekt. Er wird in Dänemark, Norwegen und England registriert. Beispielsweise könnte der negative Flynn-Effekt in Dänemark damit zusammenhängen, dass das Bildungssystem keine weiteren Steigerungen zulässt und die Kinder immer häufiger früher die Schule verlassen, um eine Ausbildung zu beginnen.

Kein Grund zur Panik

In Entwicklungsländer oder der USA sind die Werte dagegen noch steigend.Matthias Ziegler von der Humboldt Universität in Berlin mahnt zur Gelassenheit: Intelligenzunterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen wären nicht so bedeutsam wie Unterschiede innerhalb einer Gruppe.

Eine Einschätzung des negativen Flynn-Effekts im New Scientist: