House of Cards im Kanzleramt? Das wäre zu einfach. Trotzdem denkt der Streamingdienst Netflix global und will auch das Land von "Tatort" und "Verbotene Liebe" mit Serien beliefern, die in Deutschland spielen und von deutschen Autoren geschrieben werden. Keine leichte Aufgabe.

Seit gut einem Jahr gibt es Netflix in Deutschland. Und dort findet ihr unzählige Serien, mit denen ihr das Herbstwetter vergessen könnt. Nur eines fehlt: ein richtiger deutscher Serienhit. Das soll sich jetzt ändern und zurzeit können sich deutsche Drehbuchautoren beim Streaming-Dienst bewerben. Einer von ihnen ist Michael Esser. Er ist sogar für eine Weile nach Los Angeles gezogen, um den Netflix-Auftrag zu ergattern. Unsere Autorin Katharina Wilhelm hat den Drehbuchautoren in LA getroffen.

Fähige Schauspieler garantiert

Ein Grund, warum Michael Esser seinen Lebensmittelpunkt in die USA verlegt hat: Sein Co-Schreiber lebt auch gerade da und so bietet es sich für Michael Esser an, in der gleichen Zeitzone zu arbeiten. Klar ist: Netflix ist sehr attraktiv für ambitionierte Drehbuchautoren. Weil der der Dienst über viel Geld verfügt und auch sehr risikofreudig bei seinem Programm ist - sich also auch an Stoffe wagt, die bei gewöhnlichen Kabelsendern nicht ausgestrahlt würden. Außerdem ist bei einem Netflixzuschlag auch gesichert, dass der Stoff mit einem fähigen Schauspielensemble verfilmt wird.

"Ein Auftrag von Netflix - das ist der Jackpot für Drehbuchautoren."
Katharina Wilhelm

Klingt also alles sehr attraktiv. Aber natürlich stellt sich die Frage, wie sich das Land von "Tatort" und "Verbote Liebe" mit der Netflixwelt zusammenbringen lässt. Genau darüber hat sich auch Netflix Gedanken gemacht. Die Vorgaben des Streaminganbieters: Der Stoff soll in der heutigen Zeit, in Deutschland und dann bitte auch im Umfeld von Berlin spielen, hat Michael Esser Katharina Wilhelm erzählt. Und das Thema? Netflix sucht einen Stoff, der etwas über die deutsche Gesellschaft im Jahre 2015 erzählt. Was Michael Esser aus diesen vagen Vorgaben machen will, hat er sich natürlich nicht entlocken lassen.

Die große Freiheit für Autoren gehört bei Netflix zum Konzept. Allerdings ist auch der Anspruch bei den Machern von "House of Cards" sehr hoch. Und auch das Handwerk des Drehbuchautoren unterscheidet sich in den USA von dem der deutschen Kollegen. Ein Punkt, mit dem sich Michael Esser genau beschäftigt hat, bevor er sich auf das Netflix-Abenteuer eingelassen hat. Drei Dinge sind ihm dabei aufgefallen:

  • Amerikaner geben viel mehr Geld für Drehbücher aus.
  • Der legendäre Writer’s Room: In den USA ist ein geniales Drehbuch keine Solo-Show. Stattdessen setzen sich fünf hoch talentierte und hoch bezahlte Kollegen zusammen.
  • Und dann ist da noch die Ausbildung: Hier gilt: Übung macht den Meister. Wer es in den USA schaffen will, muss viel mehr Drehbücher geschrieben haben als in Deutschland.