Serien gucken macht nur Spaß im Original, sagen viele. Denn die Synchronisation oder die Untertitel sind oft Mist. Netflix will da jetzt besser werden - und führt für Übersetzer einen Test ein.

"Musst du dir unbedingt im Original anschauen!" Ja, dieser Rat ist oft sinnvoll. Denn es gibt genügend Beispiele dafür, wie schlecht Synchronisation oder Übersetzung ausländischer Filme funktionieren kann - dazu muss man bei Google einfach mal nach Synchro Fails suchen.

Auch das Streaming-Portal Netflix hat dieses Problem erkannt und will es jetzt angehen. Und deshalb soll es in Zukunft einen Test für Übersetzer geben. Nur wer den besteht, soll künftig für Netflix Serien und Filme übersetzen dürfen.

Der Test ist ein Multiple-Choice-Test. Für einen englischen Satz sind zum Beispiel fünf norwegische Übersetzungsmöglichkeiten angegeben, daraus muss der richtige gewählt werden. Dabei geht es auch um Redewendungen. Und dafür muss man sich in beiden Sprachen ziemlich gut auskennen.

Was will Netflix mit diesem Test?

Das Unternehmen sagt, bisher werden die Übersetzungen von Dienstleistern in dem jeweiligen Land gemacht. Der Test soll jetzt einheitliche Qualitätsstandards setzen. 

"Mit dem Test kann Netflix auch neue Übersetzer rekrutieren. Auch Privatleute können mitmachen. Wenn die den Test bestehen, können sie theoretisch für Netflix arbeiten."
Konstantin Zurawski, DRadio Wissen

Für den deutschsprachigen Markt ist die klassische Synchronisierung ja immer noch sehr wichtig. Und auch da gibt es Nachholbedarf: Sprachlicher Charakter und schauspielerische Leistung gehen bei vielen Synchronisierungen oft verloren. Kritiker der Nachvertonung sagen, auch da bräuchten wir mal eine Qualitätsoffensive.

"Für die Illusion lippensynchroner Verständlichkeit wird fast jeder fremdsprachige Dialog ins Stahlbad teutonischer Emphase getaucht. Während sich Skandinaviern das Wesen des Originals untertitelt erschließen darf, bügelt Deutschland vom Filmklassiker über BBC-Dokus bis zur Netflix-Serie alles glatt."
Jan Freitag, Der Tagesspiegel

Die Übersetzung für eine Synchronisation ist also noch aufwändiger, als die für einen Untertitel. Damit die Übersetzung mit den Lippenbewegungen übereinstimmt, müssen Szenen teilweise komplett umgeschrieben werden. Kein Wunder also, dass Dialekt oder Wortwitze da oft verloren gehen.