Während der Corona-Pandemie ist die TikTok-Nutzerzahl explodiert. Warum wollen wir uns jetzt stundenlang hyperaktive Tanz- und Fail-Clips anschauen? Darum geht es in dieser "Ab-21".

Jonas ist von YouTube zu TikTok gewechselt, weil ihm der Aufwand für längere Videos zu groß war. Inzwischen macht er als Kirafin_ kurze Spaßclips und hat knapp 340.000 Follower.

"Du wirst in eine Welt reingezogen, die komplett zufällig ist."
Jonas

Felix will Medizin-Influencer sein – der Arzt bespielt TikTok mit 60-sekündigen Erklärvideos. Sein Ziel: Aufklären und die Leute gesund halten, aber in einfacher Sprache.

TikTok: Gut gegen Langeweile, schlecht bei Datenschutz

Schon der Vorgänger musical.ly hatte große Datenschutz-Probleme, sagt die Juristin Bianca Pettinger. Geändert habe sich nach dem TikTok-Relaunch aber nicht wirklich viel, warnt die Datenschutzexpertin. Sie bezeichnet die App als "Datenkrake".

Fakten über TikTok

  • Im Januar 2020 hatte TikTok mindestens 800 Millionen aktive User. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Zahl vermutlich nochmal deutlich angestiegen – einige Branchen-Tools sprechen von mehr als 300 Millionen Neuinstallationen zwischen Januar und März. Das ist der höchste Wachstumswert einer App seit dem Hype um die App PokemonGo im Jahr 2016.
  • Lisa und Lena sind die Zwillinge aus Süddeutschland, die auf TikToks Vorgänger-App musical.ly mit Tanz- und Lipsync-Clips weltberühmt wurden. Im April 2019 löschten sie ihren TikTok-Account, sowohl wegen anderen Zukunftsplänen als auch wegen Datenschutzbedenken. Anfang Mai meldeten sich die Schwestern zurück und haben innerhalb von einer Woche knapp sechs Millionen Follower bekommen. "Die App hat sich verändert und unser Blickpunkt hat sich verändert", sagen die beiden zu ihre Rückkehr in einem ihrer ersten Clips.
  • Neben der Kritik am Datenschutz bei TikTok gibt es auch Vorwürfe bezüglich der Inhalte: Das Magazin Vice wirft der aus China kommenden App vor, politische Inhalte, besonders was Clips aus HongKong angeht, zu zensieren. Eine Recherche von netzpolitik.org deutet auf diskriminierende Moderationspraktiken gegenüber "hässlichen" Nutzern und Menschen mit einer Behinderung hin.
  • Die TikTok-Unternehmenskommunikation schreibt in einer Stellungnahme:
    "Wir moderieren keine Inhalte aufgrund ihrer politischen Ausrichtung. Unsere Moderationsentscheidungen werden von keiner Regierung beeinflusst, auch nicht von der chinesischen. Wir schränken oder entfernen Inhalte auf TikTok weder aufgrund bestimmter Körpermerkmale noch aufgrund einer Behinderung der Nutzer*innen ein."