In den Aufsichtsräten deutscher Top-Unternehmen liegt der Frauenanteil mittlerweile bei fast 30 Prozent, aber weibliche Vorstände sind immer noch Exoten. Ein großes Stichwort, wenn darüber diskutiert wird, ist Vernetzung. Und beim Vernetzen gibt es für Frauen offenbar ein Erfolgsrezept. Das behaupten amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie. 

Frauen, die Karriere machen wollen, sollten darauf achten, dass im Kern ihres Netzwerks eine weibliche Clique das Sagen hat. Das ist die These von Yang Yang, Nitesh Chawla und Brian Uzzi in der Fachzeitung PNAS. Die Drei haben sich auf eine spezielle Karriere-Konstellation fokussiert, nämlich den Berufseinstieg von einem  Aufbaustudium direkt in eine Führungsposition.

Die Forscher haben umfangreiches Datenmaterial über insgesamt 728 Absolventinnen und Absolventen aus einem Graduate Program zur Verfügung gestellt bekommen: sowohl Infos über die Stelle, die die Absolventen angetreten hatten, als auch über deren Netzwerke während des Studiums. Die haben die Forscher aus der Email-Kommunikation der Studenten über deren Hochschulaccounts rekonstruiert. 

Das waren 4,55 Millionen Mails aus zwei Jahren. Die Forscher haben nicht die Inhalte der Mails bekommen, sondern nur die Metadaten: "Wer kommuniziert wann mit wem?". Dann haben sie ausgewertet, ob es Zusammenhänge zwischen dem Grad der Vernetzung und dem ergatterten Job gibt.

Wer viel kommuniziert, kriegt den besseren Job

Und dabei zeigten sich tatsächlich Korrelationen: Grundsätzlich hatten Studentinnen und Studenten, die mit besonders vielen anderen besonders regen Mailverkehr gehabt hatten, hinterher im Durchschnitt die höherwertigeren Jobs. Höherwertig heißt in dem Fall: besser bezahlt.

"Ganz kurz und knapp gesagt: Wenn Du als Frau Karriere machen willst, solltest Du schon drauf achten, dass im Kern deines Karrierenetzwerks eine Frauenclique das Sagen hat. "
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter über die These der Forscher

Um einen ursächlichen Zusammenhang nachzuweisen haben die Forscher nachgeholfen: Die Kurse der Studentinnen und Studenten wurden so zusammengestellt, dass in jedem Kurs alle sonstigen Eigenschaften gleichmäßig verteilt waren, also das Verhältnis von Männern und Frauen, die Nationalität, die Vorzensuren, vorhandene Berufserfahrung – Eigenschaften, die theoretisch für einen Erfolg beim Jobeinstieg eine Rolle spielen könnten. 

Die Studentinnen und Studenten waren in diesen vermeintlich gleichgemachten Gruppen das erste Vierteljahr zusammen und haben dort angefangen, den Kern ihres Netzes zu bilden. Danach sind sie wieder nach dem Zufallsprinzip in Klassen eingeteilt worden. 

Die Forscher haben also dafür gesorgt, dass die Voraussetzungen für die Netzwerkbildung so ausgeglichen und zufällig waren wie möglich. Deshalb sind sie sich bei ihren Ergebnissen so sicher, dass tatsächlich der Vernetzungsgrad der entscheidende Faktor für den besseren Job ist.

Auffällig ist dabei: Nur bei den Studentinnen fiel dieser Effekt in einem speziellen Fall besonders stark aus – nämlich, wenn in ihrem individuellen Netzwerk Frauen die zwei oder drei zentralen Kommunikationsknoten waren.

Ein paar Männer sollten schon im erweiterten Netzwerk sein

Die Forscher interpretieren ihre Daten so, dass erfolgreiche Karrierenetzwerke für Frauen doppelspurig funktionieren: Eine weibliche Kern-Clique sorgt quasi für die gender-spezifischen Informationen – also welche Unternehmen oder Branchen oder Arbeitsmodelle grundsätzlich interessant sind. Und die sonstigen Kontakte, die frau hat – eben auch mit Männern und außerhalb der Kern-Clique – die sorgen für exklusive Infos, zum Beispiel über konkrete freie Jobs.

"In der Realität werde ich aber zum Beispiel eher nach Sympathie kommunizieren und nicht nach theoretischer Effizienz. Und vielleicht ist auch der am besten bezahlte Job gar nicht der tollste."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova